Die Geisterseher Hot

Nico Steckelberg   28. November 2009  
Die Geisterseher

Rückentext

Unruhige Zeiten im ehrwürdigen Weimar von 1805. Erst bricht ein Schauspieler tot zusammen, als Goethe seinen Faust aufführt, dann liegt Schiller sterbenskrank darnieder. Und mitten in der Szenerie die Brüder Grimm, die den beiden Dichterfürsten ihre Aufwartung machen wollen und stattdessen in ein finsteres Komplott um ein geheimnisvolles Manuskript geraten ...

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
9,0
Soundtrack 
 
8,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Friedrich Schiller ist tot. Ermordet von Johann Wolfgang von Goethe. Nein, nicht ganz. Denn das Gift verabreicht haben ihm die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm. Ohne dies zu wissen. Das Motiv: Das bislang niemals vollendet geglaubte Manuskript von Schillers Roman „Der Geisterseher“. Mit dieser ungeheuerlichen Theorie startet Kai Meyers Schauergeschichte „Die Geisterseher“. Sie beginnt im Weimar des Jahres 1805. Ihre Protagonisten sind die Brüder Grimm, die sich schon bald durch ein gefährliches Geflecht aus Intrigen, Geheimbünden, Logen, Mördern, Träumen und Illusionen kämpfen müssen, immer auf der Suche nach dem Geheimnis hinter Schillers Werk und auf der Flucht vor denen, die es ebenfalls für sich beanspruchen.

Kai Meyers Roman stammt bereits aus dem Jahr 1995. Nun erst wurde es von Zaubermond Audio für eine Hörspielproduktion entdeckt. Und das Warten hat sich sehr gelohnt! Regisseur Marco Göllner (bekannt durch seine Dorian-Hunter-Hörspiele) hat aus Meyers Roman ein historisches Hörspiel mit phantastischen Elementen erstellt, das die Zeit der Brüder Grimm sehr gekonnt und atmosphärisch dicht in Szene setzt. Dabei wählt er geschickt die retrospektive Erzählsicht des alten Wilhelm Grimm. Mich erinnert diese Art des Erzählereinsatzes stets sehr angenehm an Umberto Ecos „Der Name der Rose“.

Dass diese Erzählersicht dann noch von einem hervorragenden Sprecher umgesetzt wird, verleiht dem Hörspiel eine ganz besondere Note. Hasso Zorn mimt den alten Wilhelm Grimm, und seine gebrechliche Großvaterstimme gibt dem Hörspiel eine erhabene Magie.
In den weiteren Hauptrollen sprechen Marius Clarén und Markus Pfeiffer die jungen Brüder Grimm. Diese gefallen mir nicht so gut, da sie die zeitgenössische Sprache gestelzt und ein wenig unnatürlich vermitteln. Dies gelingt den Sprechern der Nebenrollen bedeutend besser. Henning Kober als Friedrich Schiller, Matthias Habich in der Rolle des Goehte, Brigite Grothum als Elisabeth von der Recke, Celine Fontanges als Anna von Brockdorf, ein gefährlich durchgeknallter Sven Plate als der Prinz von Württemberg und ein enorm gut gespielter E.T.A. Hoffmann von Andreas Fröhlich (alias Bob Andrews von den drei ???) lassen die Nebenrollen zu einem Feuerwerk für die Ohren werden. Ein Wiederhören erlebt man auch mit Gerlach Fiedler, dem Sprecher-Urgestein, das bereits bei der ersten Folge der drei ??? mitgesprochen hat.

Die Geräusche und Atmo-Sounds gefallen mir gut. Der Score aus der Feder von Cantarelos.de weiß ebenfalls zu gefallen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass es mehr Melodien geben würde. An den meisten Stellen ist der Soundtrack rein atmosphärisch eingesetzt, nicht erzählerisch (mehr Flächensounds und perkussive Instrumente anstelle von Melodieführung). Ein Positivbeispiel: Immer wenn Anna auftaucht (ob in Person oder im Gespräch) erklingt ihre eigene Melodie. Ein sehr guter Ansatz, den ich mir für das nächste Grimm-Hörspiel häufiger wünsche.

Denn die Hörspielfassung von Kai Meyers zweitem Roman um die Brüder Grimm – „Die Winterprinzessin“ – ist bereits in Vorbereitung. Ich bin gespannt und freue mich schon jetzt.

„Die Geisterseher“ ist ein spannendes, ansprechendes Phantastik-Hörspiel mit einer hervorragenden Geschichte und prima Sprechern. Hörenswert!

© 2002 - 2020 Der Hörspiegel - Lesen, was hörenswert ist. --- IMPRESSUM --- DATENSCHUTZ