Der Blutgraf Hot

Michael Brinkschulte   27. Juli 2012  
Der Blutgraf

Rückentext

Die alte Tür knarrte scheußlich, als sie langsam aufgezogen wurde. Doch die junge Frau in dem breiten Holzbett hörte nichts von diesem Geräusch. Sie schlief ruhig weiter. Tiefe, regelmäßige Atemzüge hoben und senkten ihre Brust. Durch die spaltbreit geöffnete Tür schlich eine dunkelgekleidete Gestalt in das Zimmer, ging auf das schlafende Mädchen zu und öffnete langsam den Mund: Mit einem hässlichen Grinsen kamen zwei nadelspitze Vampirzähne zum Vorschein …

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
4,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
7,0
Soundtrack 
 
7,0
Aufmachung 
 
6,0
Gesamtwertung 
 
6,2

Wie ist das Hörspiel umgesetzt?

Auf 12 mit Rollennamen versehene Sprecher, sowie 12 weitere in unbenannten Nebenrollen greift diese Folge zurück. Die Folge basiert auf dem 1975 erschienenen Gespensterkrimi Band 77. Sound und Musik sind stimmig, die Sprecherleistungen weitgehend gut. Partiell wirkt der Vortrag etwas überzogen.
Die Covergestaltung, aus der Feder von Timo Wuerz, zeigt den Blutgrafen in einer Schiffskombüse und wirkt nicht besonders gruselig. Meiner Meinung nach, das bisher schwächste Coverartwork der Classics. Die Sprecherliste, sowie eine Aufstellung der bisherigen und zukünftigen Classics sind im Booklet abgedruckt.

Resümee/Abschlussbewertung:

Sinclair hat Sonderurlaub und darf sich als drittes Rad am Wagen mit Bill Conolly und dessen Frau Sheila auf einer Kreuzfahrt vergnügen. Dass dies nicht so bleibt, ist klar und liegt an der Forschungsarbeit des Archäologen Dr. Fulmer, der mit seinem Team Artefakte außer Landes schmuggelt und dazu das Schiff nutzt. Zu den Artefakten zählt auch ein Sarkophag, der einen brisanten Inhalt hat, den titelgebenden Blutgrafen.

An sich bietet die Grundstory des Heftromans aus dem Jahr 1975 ein gutes Potential für eine solide Folge der Sinclair Classics. An sich! Aber was aus dieser Story gemacht wurde ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Sinclair Fan. Es scheint, als habe Hörspiel-Skript-Autor Michael Koglin versucht die Folge in die Jetztzeit zu transformieren, was dem Konzept der Sinclair Classics, die vor der normalen Serie angesiedelt sein soll, komplett widerspricht.
So werden aktuelle Bezüge zum Schiffsunglück in Italien eingebunden, indem auf die Ausbildung des Kapitäns ein schlechter Gag aufgebaut wird. John hat, entgegen der Romanvorlage, seine mit Silberkugel geladene Waffe dabei und zum Schluss wird dem Ganzen die Krone aufgesetzt und Facebook kommt ins Spiel.
Bleibt einzig die Frage: Was soll das?

Mit dieser Folge hat sich das (inzwischen nicht mehr ganz) neue Produktionsteam keinen Gefallen getan. Die Sprecher leisten weitgehend gute Arbeit, bringen Atmosphäre ins Spiel und die Inszenierung an sich ist auch nicht schlecht. Doch alles steht und fällt mit der Story, die einer Sinclair Classics Folge nicht würdig ist und somit das Gesamtergebnis in den Keller zu stoßen weiß.

Es heißt ja: ‚Die Hoffnung stirbt zuletzt!‘ doch irgendwie erkennt man als Hörer das Grundkonzept der Sinclair Classics nicht mehr wieder und ich stelle mir die Frage, wie lange die Fans das so noch mitmachen oder ob ‚Sinclair Classics‘ die nächste einstmals gut gestartete Serie sein wird, die eingestellt wird.

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