Am Ende aller Tage Hot

Nico Steckelberg   20. Mai 2013  
Am Ende aller Tage

Rückentext

Larry Newman löste die Atemschutzmaske vom Gesicht. Er setzte den neuen Filter ein, klemmte den verkrusteten Verschluss zwischen die Zähne und drehte ihn langsam zurück in das Gewinde. Ohne Maske konnte ein menschlicher Organismus nicht länger als zwei Minuten bei Bewusstsein bleiben. Ohne Bewusstsein war der Tod nur eine Frage kurzer Zeit. Drei Tage ... In weiter Ferne glühte ein riesiges, kuppelartiges Gebilde. In fahlem Grün. Der Widerstand sendete nicht länger. Die Störfelder waren zu stark geworden. Aschewolken wehten über das trostlose Land. Von der namenlosen Kleinstadt im Tal waren nur Ruinen übrig geblieben.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
10,0
Soundtrack 
 
10,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,6

Was war das für eine lange Wartezeit. Seit die letzte Episode von Gabriel Burns bei Universal erschien, sind über 2 Jahre vergangen. Nun endlich erscheint die 36. Episode der Mystery-Thriller-Reihe, nicht mehr bei Universal (Folgenreich) sondern direkt bei Volker Sassenbergs Label Decision Products.

Es hat sich einiges geändert im Burns-Universum. Das betrifft zum einen die Story: Es ist der pure Endzeit-Alptraum, den der Hörer hier zu spüren bekommt. Verödete Steppen, verlassene Autowracks, aggressive Mutationen, eine tödliche CO2-Konzentration in der Atemluft und der tägliche Kampf ums Überleben – so global aussichtslos war bisher noch keine Gabriel-Burns-Folge. Auch in Sachen Brutalität wird hier aus den Vollen geschöpft. Eine Gefahrensituation reiht sich an die nächste an. Es geht darum, den Fahlen Paroli zu bieten, doch die Kräfte sind ungleichmäßig verteilt, und die Situation scheint ausweglos. Der organisierte Widerstand stellt Medikamente her, die den psychischen Einfluss der Fahlen abwehren. Doch überall auf der Erdoberfläche wurden die rieseigen Kuppeln errichtet, in denen den Menschen zahllose Unaussprechlichkeiten angetan werden.

Den längsten Erzählerpart übernimmt hier nicht der Jürgen Kluckert, sondern Björn Schalla alias Larry Newman ist hier das tragende Element der Story. Er muss Bianca Krahl alias Joyce Kramer stets aus ihrer tiefen resignativen Depression reißen und dazu bewegen, nach einem Ausweg zu suchen und nicht aufzugeben. Besonders gut gefällt mir Norbert Schmidt als Darwin, einem Freiheitskämpfer, der sich zusammen mit seiner Familie in einem alten Schiffswrack verschanzt hat und zum Alleinversorger in einer tödlichen Umgebung wurde.

Was hat sich noch getan im Burns-Universum? Neben der Story hat sich der Sound und das Audiodesign stark verändert. Wo früher Hollywood-reife Streicherarrangements ein orchestrales Filmfeeling erzeugten, geht es mit dem Abzweig in die Endzeitthematik hinein auch musikalisch in eine andere Richtung. Volker Sassenberg und Matthias Günthert haben sich enorm ins Zeug gelegt und eine unglaublich dichte Electronica-Sounduntermalung gefunden, die großartig zum neuesten Story-Turn passt. Alles erinnert an eine Soundtrack-Mischung aus Harold Faltermeyers „Running Man“, Brad Fiedels „Terminator“ und Vangelis‘ „Blade Runner“, touched by Clive Nolan. Wunderbar!

Ich bin heilfroh, dass die Serie wieder da ist, auch wenn sie doch stark verändert ins Rennen geht. Gerade hier zeigt sich wieder einmal, dass sich nur derjenige treu bleibt, der sich traut, sich zu verändern.

Eines gilt jedoch nach wie vor: Nichts für Kinder.

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