Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944

Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944 Hot

Tobias Richwien   07. Oktober 2015  
Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
2
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Rückentext

Als sich vierhunderttausend britische Soldaten 1944 auf den Weg nach Deutschland machten, steckte dieses Büchlein in ihren Hosentaschen. Eine sehr konkrete Anleitung des britischen Außenministeriums, wie mit uns Deutschen – einem, »merkwürdigen Volk« – umzugehen sei. Die Soldaten wurden darin nicht nur vor „Propaganda“ in Form von Unglücksgeschichten gewarnt, sondern auch über unsere Ess- und Trinkgewohnheiten, Feierlichkeiten und beliebte Sportarten aufgeklärt. Gleichsam wurden sie dazu aufgerufen, sich allen Deutschen gegenüber immer fair zu verhalten. Dieser Leitfaden hat ihr Bild von uns Deutschen entscheidend geprägt. Ein Bild, das uns heute manchmal erschreckend, manchmal amüsant und oft unfassbar komisch anmutet.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
6,0
Sprecher 
 
8,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
7,8

Auch wenn man es aus dieser Sichtweise bisher nicht betrachtet hat, ein Krieg zwischen verschiedenen Ländern erfordert auch eine gute Verwaltung, sonst herrscht das Chaos schon vor dem Schlachtfeld. Das war auch der britischen Regierung im Zweiten Weltkrieg bewusst, als sie 400.000 Ihrer Soldaten in den Krieg nach Deutschland schickte. Um die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Gesellschaftsschichten, aus denen sich die Streitkräfte zusammensetzten, grundlegend über den Feind und das fremde Land zu informieren, gaben Sie allen Soldaten ein Handbuch mit auf den Weg.

In diesem Handbuch wird allerdings nicht etwa beschrieben wie man sich einen Schützengraben aushebt, sondern die Soldaten werden mit den Charaktereigenschaften der Deutschen und dem Umgang mit Ihnen als Feinde und später als Besatzungsmacht vertraut gemacht.

Das historisch Herausragende an diesem Handbuch ist der Geist, der dem Verfasser innewohnte. Anders als es die Deutschen zu dieser Zeit selbst mit der Weltanschauung hielten, reichte der Horizont der Briten weit über den Krieg hinaus und blickte schon auf einen vereinten europäischen Kulturkreis. Die Briten, die sich auch um die Zeit nach der Niederlage Deutschlands und den anstehenden Aufbau Gedanken machten, zeigen hier wirkliche Überlegenheit eines Siegers. Im Vordergrund steht Wiederaufbau statt Vernichtung. Interessant und amüsant ist allerdings, dass die vielen Charaktereigenschaften, die den Deutschen zugesprochen werden, oft auch heute noch zutreffen und einem gelegentlich das Gesicht erröten lassen.

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