Monster Hot

Nico Steckelberg   09. Juni 2014  
Monster

Hörbuch

Untertitel
Rendezvous mit fünf Mördern
Autor(en) oder Hrsg.
Sprecher
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
4

Rückentext

Sie haben Menschen vergiftet, erschossen oder mit ihren eigenen Händen umgebracht. Sie haben ihre Opfer zerstückelt, vergraben oder verspeist. Charles Manson, Issei Sagawa, Dorothea Puente sind kaltblütige Massenmörder. Aus ihren Taten machen sie noch dazu ein Mordsgeschäft. Als "Ikonen des Horrors" verkaufen sie Fanartikel, laden zu kostspieligen Rede-Shows oder versteigern Marathon-Sex. Micael Dahlén, schwedischer Wirtschaftsprofessor mit Kultstatus, hat sich in den Bannkreis der "Monster" begeben und fünf von ihnen hautnah erlebt. Ein schonungsloses Hörbuch über die Faszination des Bösen und eine ekelerregende Wahrheit über die Welt, in der wir leben.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
6,0
Aufmachung 
 
5,0
Gesamtwertung 
 
6,5

Zugegeben, es gibt sicherlich nettere Rendezvous als diejenigen, die der schwedische Wirtschaftswissenschaftler Micael Dahlén zu Recherchezwecken für sein Buch „Monster“ angestrebt hat. Dahlén wollte den Wirtschaftszweig der „Serienkiller-Ökonomie“ analysieren, jener gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erscheinung, die Massenmörder zu Marken werden lässt. Hierzu traf er sich mit Vertretern der verschiedenen Täter-Typen:
Issei Sagawa, der als das reale Vorbild für Hannibal Lecter gilt und nach eigener Aussage mal wieder ein Festmahl veranstalten müsse, damit der Hype um ihn nicht langsam nachlasse. Da ist Dorothea Puente, die (heute) liebe Omi mit dem Drang zum Töten und allen vorzugaukeln, die Welt sei in Ordnung. Peter Lundin, dessen Konterfei wie ein Popidol Bücher, Poster und Fernsehschirme füllt. Wayne Lo, dessen Amoklauf an einer Schule zu einer Zeit stattfand, in der es das Wort „Amoklauf“ noch nicht gab. Sehr schade, wie er findet, denn so wurde ihm nicht genug Aufmerksamkeit zuteil. Und Micael Dahlén traf sich mit Charles Manson, dem Anführer seiner eigenen, mordenden Sekte, die aus der Hippie-Bewegung hervorging und deren träumerischen Ausprägungen ein jähes Ende setzte.

Micael Dahlén kämpft um das Vertrauen dieser fünf unterschiedlichen Mörder, trifft sich mit ihnen, spürt die Gefähr, ihre körperliche und geistige Präsenz. Ist beeindruckt von der Zielstrebigkeit ihres Denkens, erschüttert von der Reuelosigkeit und weiß: Du könntest der nächste sein, hier und jetzt.

„Monster“ ist ein Hörbuch, das nicht so recht weiß, wohin es will. Zwar versucht der Autor sachlich-nüchtern zu schreiben und erhebt den Anspruch eines Sachbuchs. Doch dafür steckt deutlich zu viel persönliche Emotion im Stoff. Denn neben einer Charakteranalyse der Täter nimmt Dahlén auch eine Selbstanalyse vor, in der er feststellt, dass auch er sich – wie der Großteil aller Menschen – dadurch beeindrucken lässt, dass sein Gegenüber einen oder mehrere Menschen umgebracht hat. Immer dann, wenn das Buch eine klare Richtung einschlägt, zum Beispiel bei der Beschreibung wissenschaftlicher Untersuchungen, kommen seine Stärken zum Vorschein. Doch es wirkt durch die ungefilterte Beschreibung der Wahrnehmung des Autoren streckenweise wie eine Huldigung der Taten. Das ist zweifelsfrei ein kluges Instrument um dem Leser die Funktionsweise der Täterverherrlichung zu erklären, jedoch ein gefährliches, weil es den Mythos Serienmörder unterstützt und seinerseits das Markentum der Täter stärkt.

Martin Bross liest dieses Hörbuch für meinen Geschmack zu emotional um den Sachbuchcharakter zu unterstreichen. Er interpretiert „Monster“ wie einen Psycho-Thriller und trägt dazu bei, dass die realen Personen und Taten wie Fiktion anmuten und damit Begeisterung entstehen kann für Taten, die jenseits von Gut und Böse liegen. Die reißerische Covergestaltung trägt sicherlich ihrerseits dazu bei. Eher unpassend und im Kontrast zur Kernaussage des Buchs.

Fazit: Ein polarisierendes Hörbuch, das von seinem Hörer einiges abverlangt. Den schmalen Grat zwischen Interesse, Ablehnung, Begeisterung, Ekel und Personenkult muss jeder Hörer für sich selbst definieren, und genau hierin liegt die Gefahr und der Anspruch von Micael Dahléns „Monster“.

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