Junge rettet Freund aus Teich

Junge rettet Freund aus Teich           Hot

Nico Steckelberg   05. Mai 2013  
Junge rettet Freund aus Teich

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Sprecher
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
4

Rückentext

Es ist autobiographisch, vielleicht mehr denn je. Der Held heißt so wie Heinz Strunk im wahren Leben: Mathias Halfpape. Es sind Erinnerungen an Kindheit und frühe Jugend in Harburg und Umgebung. Gegliedert in drei Blöcke erzählen ein Sechsjähriger, ein Zehnjähriger und ein Vierzehnjähriger. Und kann man die im ersten Abschnitt nostalgisch geschilderte Kindheit in den späten Sechzigern eigentlich nicht anders als glücklich nennen, wird es mit dem Fortschreiten der Jahre dunkler, sieht sich der Erzähler durch die Umstände aus dem Paradies familiärer Geborgenheit vertrieben.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
10,0
Sprecher 
 
10,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
9,5

Ich habe Heinz Strunk Unrecht getan. Ich fand seine Kurzhörspiele anfangs ziemlich albern und doof. Bis zu dem Augenblick, als ich süchtig nach ihnen wurde und seine Redewendungen und Satzeigenarten langsam aber sicher in meinen normalen Sprachgebrauch übergingen. Inzwischen glaube ich, Heinz Strunk besser zu verstehen als früher. Vor allem seine Romane haben es mir angetan. Nun erscheint sein neuestes Buch „Junge rettet Freund aus Teich“ als ungekürzte Autorenlesung bei Roof Music / tacheles!.

Es ist die autobiografische Geschichte der frühen Jugend eines gewissen Mathias Halfpape. Das ist nicht nur zufällig auch der bürgerliche Name von Heinz Strunk. Es ist die Erzählung einer norddeutschen Kindheit, die von Tristesse, Angst, Sehnsucht, Unbestimmtheit und feiner Beobachtungsgabe gekennzeichnet ist. Strunk erzählt (und spricht) diese Geschichte mit so viel Dynamik und kindlicher Aufregung, dass man sich als Hörer förmlich mit Haut und Haaren in die Figur Mathias hineindenken kann. Wie schlimm und fies andere Kinder und Erwachsene sein können, und welche Sorgen sich der Junge macht! Aber auch Situationskomik ist in rauen Mengen vorhanden. Zum Lachen ist es immer, wenn Strunk zur Darstellung der verschiedenen Charaktere seine Stimme verstellt. Oder wenn er sich verhaspelt, über sich selbst lacht und dann – „weiddaimtext“ – fortfährt.

Doch es gibt sie ganz oft – die tragischen und melancholischen Momente, in denen man merkt, dass „Junge rettet Freund aus Teich“ mehr ist als eine Kindheits-Jugend-Komödie. Ganz besonders deutlich wird das in den letzten Atemzügen des Hörbuchs. Ich möchte nicht viel verraten, aber es ist ein Gefühl zwischen „Es zerreißt dir das Herz“ und sprachloser Schockstarre. Man mag erst mal nichts weiter hören, muss das alles verarbeiten. Wer Heinz Strunks Werk kennt, der versteht nun auch einen Zusammenhang zu seinen Kurzhörspielen. Man mag gar nicht wissen, wie autobiografisch speziell der Schluss der Erzählung ist.

Heinz Strunk ist mit „Junge rettet Freund aus Teich“ ein ganz großer Wurf gelungen. Es ist sprachlich mal schlicht, mal nahezu poetisch, kindlich einfach in seinen Motiven, aber zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise oberflächlich. Ein Buch, das durch seine Autorenlesung auflebt, das Befremden und Zuneigung auslöst, Ekel, Freude, Mitleid und Melancholie.

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