Dinge, die wir heute sagten

Dinge, die wir heute sagten Hot

Jan Hillgärtner   03. Juni 2011  
Dinge, die wir heute sagten

Hörbuch

Autor(en) oder Hrsg.
Erscheinungsjahr
Format
CD
Anzahl Medien
6

Rückentext

Bresekow, ein kleines Dorf in Vorpommern. Als die alte Frau Hanske stirbt, kommt ihre Tochter Ingrid aus Irland zur Beerdigung. Sie hatte Bresekow vor vielen Jahren verlassen. Die Dorfbewohner erinnern sich an ein dunkles Geheimnis von damals und beginnen über die alte Geschichte zu sprechen. Nach und nach wird nicht nur das Ausmaß einer tragischen Familiengeschichte sichtbar, sondern es entsteht auch das Bild eines Dorfes, das den politischen Wirrungen der Zeit stets ungeschützt ausgesetzt war. Ein vielstimmiges Hörbuch über Heimat und Familie, über Freundschaft und große Träume.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
8,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
8,3

„Dinge, die wir heute sagten“ kam wie ein Donnerschlag in die Welt. Judith Zander, die Autorin, hatte man zwar bereits als Lyrikerin auf dem Radar, dass sie es aber mit ihrem Erstling in Prosa im vergangenen Jahr bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffen würde, das hätte man von ihr nicht erwartet. Der Roman aber rechtfertigt es durchaus. Es sind vor allem die vielen Personen und die Gruppen, die Bresekow, ein Ort in Vorpommern, so lebendig machen, obwohl sie doch alle so gelangweilt sind. Erzählt wird die Familiengeschichte, die auf das engste mit der Geschichte des Dorfs verwoben ist. Gemein ist allen Einwohnern das tiefe Gefühl der Langeweile und der Sinnlosigkeit ihrer Existenz in der Provinz. Viele träumen vom Ausbruch, vom Umzug in die großen Städte oder sogar das Ausland und die die es tun, werden ängstlich beäugt. Dadurch, dass nur die Personen in inneren Monologen oder Dialogen die Handlung voran treiben, entsteht das Bild einer geschlossenen Gesellschaft. Und diese Gesellschaft ist ungastlich. Da werden Mitglieder ausgegrenzt und zwei Teenager begeben sich freiwillig in eine Art innere Emigration. Gegenüber der alles bestimmenden LPG, dem Treffpunkt der Dorfjugend verschließen sie sich und nur der exotische Paul, Sohn einer aus Bresekow stammenden Ausgewanderten aus Irland schafft es, ihren Widerstand aufzubrechen.

Ausgangspunkt für die Begegnung ist der Tod der alten Anna Hanske. Ihre Tochter Ingrid kehrt zur Beerdigung nach über 20 Jahren wieder nach Bresekow zurück und ihr Besuch wirft im Dorf alte und neue Fragen auf, nachdem sie Bresekow damals fluchtartig verlassen hatte. Romy und Ella sind die beiden Teenager, die Anna Hanske nur als die seltsame Alte kennen, für die sie das ganze Dorf gehalten hat. Paul, ihr Enkel schafft es, die beiden Schülerinnen aus ihrer Lethargie zu holen und sich mit der eigenen Heimat auseinander zu setzen.

Das Spannende an diesem Roman ist die Tatsache, dass aus der gesammelten Langeweile und der Abneigung gegenüber der eigenen Existenz seitens der Dorfbewohner beim Hörer eine Spannung entsteht, die einen von CD zu CD trägt.

Nina Petri und Lotte Ohm machen dieses Hörbuch zu einem Genuss.

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