Die Siedlung der Toten

Die Siedlung der Toten Hot

Tanja Trawny   23. Dezember 2016  
Die Siedlung der Toten

Rückentext

Mit einem Kopfschuss hingerichtet sitzt die Frau in ihrem Rollstuhl, aufrecht wie eine Mumie in ihrem Chanel-Kostüm - die letzte Bewohnerin der SIEDLUNG. 
Idyllisch war es hier einst in den Bungalows an der Isar. Bis man die Leichen fand:
18 Tote, im Kreis angeordnet um eine Feuerstelle. Alle waren sie Bewohner der ersten Stunde.
Welches Grauen hält sich bis heute versteckt in der SIEDLUNG?

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
10,0
Atmosphäre 
 
9,0
Sprecher 
 
9,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
9,0

Innerhalb des Hörbuchs wechseln die jeweiligen Sprecher/ Erzähler. Lediglich 
 Jede Handlung/jeder Gedankengang sowie Begegnungen einer der Hauptfiguren in "Die Siedlung der Toten" hat ihren eigenen Sprecher/ Erzähler. Lediglich eine Person wird in dem Hörbuch in der ICH-Form präsentiert. Und mit ihm und seinen Erinnerungen an die Siedlung beginnt die Geschichte... geheimnisvoll, undurchsichtig...ohne dass der Hörer zunächst weiß, um wenn es sich dabei genau handelt. 
 Die Erzähler wechseln sich ab. Die Geschichte wechselt reziprok von der Gegenwart (Tot von Frau Börne; Ermittlungen; neue Erkenntnisse; aktuelle Geschehnissen) in die Vergangenheit (Die Entstehung der Siedlung; die drei Klassengesellschaft, welche zwischen der Siedlung, den Bungerlowbewohnern sowie den Barackenbewohnern geherrscht hat; der Ungerechtigkeit, welcher den jungen Mädchen aus der Siedlung durch die Bungalowbewohner widerfahren ist). Dem Hörer werden nach und nach mehr Geheimnisse offeriert, welche bei mir zu mindestens gleichzeitig neuen Spekulationen aufkommen lassen. Denn die Siedlung birgt weitere Geheimnisse ... dessen Resultat unteranderem die 18 Tote aus dem Kreis waren. 
 Doch nicht nur die Siedlung und dessen tote Bewohner haben Geheimnisse... Wer ist der "tote" Junge, den es eigentlich nicht geben dürfte? Was hat er oder auch die anderen Kinder mit dem Vorfall damals zu tun? Was hat es mit dem Lastwagen Nummer sechs auf sich und vor allem, warum wurde nach all den Jahren Frau Börne ermordet? Oder anders gefragt: Wieso war sie damals nicht unter den anderen Siedlungsbewohnern, welche tot aufgefunden wurden? Wusste sie mehr als sie damals dem Kommissar Mahler anvertraut hatte?  Immerhin hatte sie kurz vorher noch den alten Kommissar nach all den Jahren angerufen und ihn gebeten, dass er vorbei kommen möge. 
 Und schafft es die junge Kommissarin Eva Schnee den Fall aufzuklären, trotz ihrer eigenen psychischen und zwischenmenschlichen Probleme? Oder schaltet sich der alte Kommissar wieder mit ein?
Ich könnte einiges zu den jetzt aufgestellten Fragen schreiben. Jedoch würde es dem Hörer den Reiz nehmen, sich dieses Hörbuch anzuhören, da er die Geschichte kennen würde.
 
Deswegen nur soviel:

 Ich persönlich finde die Art und Weise, wie die unterschiedlichen Hauptpersonen durch die jeweiligen Sprecher charakterisiert werden, die trockene, derbe, partiell sarkastische Art, wie sexuelle Aversionen, Gedanken, Handlungen , zwischenmenschliche Diskrepanzen, und sogar innerliche persönliche Dialoge in die Geschichte eingebaut wurde, setzt zusätzliche Akzente und offeriert dem Hörer die jeweilige Persönlichkeitsstruktur der Person.
 
 Extrem faszinierend fand ich die Art der Darstellung des ICH-Erzählers. Er ließ mich spekulieren, welche Rolle er in dem Ganzen einnahm. Wirkte schon recht früh psychisch gestört: zunächst irgendwie kontrollierend, partiell schizophren, dann wiederum dissoziativ, nicht genau wissend, wer er eigentlich ist. Aber immer gepaart mit einem Hass gegenüber einer Person aus der Vergangenheit, welche er seit Jahren nicht aus den Augen gelassen zu haben scheint.
 
 Eigentlich sind es mehrere Handlungen in dem Hörbuch, partiell stark miteinander durch die Vergangenheit verzahnt. Welche dem Hörer erst nach vielem Spekulieren und Verdächtigen offeriert werden.
 Bis zum Schluss, gerade weil es nicht nur eine Handlung ist, sondern mehrere, hat mich dieses Hörbuch gefesselt.
 Die wechselnden Sprecher halfen das "verzahnte" etwas besser für sich auszuklamüsern. Der Geschichte trotz der vielen Sprünge (heute, damals, Ich-Erzähler) folgen zu können. 
 
 Für mich persönlich ein sehr gelungener Thriller! Den ich Euch sehr gerne ans Herz legen möchte.
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