Carte Blanche Hot

Nico Steckelberg   18. März 2012  
Carte Blanche

Rückentext

James Bond genießt einen romantischen Abend mit einer hinreißend schönen Frau. Da erreicht ihn ein dringender Alarm: Ein Lauschposten hat eine verschlüsselte Botschaft abgefangen, die einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag ankündigt. Es wird mit Tausenden von Todesopfern gerechnet. Britische Sicherheitsinteressen sind unmittelbar betroffen. Die höchsten Regierungsstellen wissen, dass nur noch James Bond die drohende Katastrophe abwenden kann. Doch will er diese Mission erfüllen, darf er sich an keine Regel halten. Und so erhält 007 eine Carte Blanche.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
7,0
Atmosphäre 
 
7,0
Sprecher 
 
10,0
Aufmachung 
 
9,0
Gesamtwertung 
 
8,3

Jeffery Deaver ist der neue James-Bond-Autor. Bislang konnte der US-Amerikaner seine Leserschaft vor allem durch seine beliebte Lincoln-Rhyme-Reihe begeistern, deren erster Teil unter dem Titel „Der Knochenjäger“ mit Denzel Washington und Angelina Jolie verfilmt wurde.

Nun legt Deaver seinen ersten Bond-Roman „Carte Blanche“ vor. Carte Blanche, das ist in der Agentensprache die unbeschränkte Handlungsfreiheit. Der Autor selbst nimmt sich die Freiheit heraus, einen jungen Mitt-Dreißiger-Bond in die Jetzt-Zeit zu versetzen. Insofern passt das Feeling des Romans mit all seinen modernen Action-Elementen und elektronischen Gadgets zu den aktuellen Bond-Filmen mit Daniel Craig. Andererseits gibt es Elemente, die auf einen klassischen James Bond im Ian-Fleming-Stil hinweisen, wie beispielsweise Bonds Äußeres oder die Tatsache, dass Bonds Chef „M“ im Roman wirkt wie ein wiederbelebter Bernard Lee (der Schauspieler, der den „M“ in den ersten Bond-Filmjahren spielte). Es gibt ebenfalls ein Wiedersehen mit Miss Moneypenny, Mary Goodnight, Felix Leiter, Rene Mathis und einem neuen Q. Wie viel Wert Jeffery Deaver dabei darauf gelegt hat, seinen Protagonisten nah an das Original von Ian Fleming anzulegen, beschreibt er in unterem Hörspiegel-Interview (siehe Rubrik „Interviews“).

Die Story ist geprägt von Deavers Hang zu unvorhersehbaren Wendungen. Oftmals erlebt der Leser/Hörer eine Situation, die Deaver im Nachgang noch einmal mit allen Fakten Revue passieren lässt. Deaver selbst beschreibt das in etwa so: „Bond legt seine Gegner herein und ich lege die Leser herein.“

Insgesamt ist „Carte Blanche“ für mich ein guter Agententhriller. Zwar lassen die vielen bekannten Charaktere und vor allem die technischen Spielereien eine gewisse Bond-Aura entstehen, insgesamt fällt es mir trotz aller entstandenen Bilder im Kopf schwer, Deavers Bond ein Gesicht zuzuordnen. Die Ecken und Kanten (und dazu zähle ich auch Bonds Chauvinismus) fehlen mir hier ein wenig. Deavers Bond ist immer Herr der Lage und wirkt dadurch auch in den ausweglosesten Situationen nie wirklich gefährdet. Und das macht „Carte Blanche“ trotz seiner thematisch „dreckigen“ Aura (Themen Müll und Recycling) zu einem am Ende doch recht glattpolierten Bond-Spektakel, das aber in jedem Fall durch seine vielen Deaver-typischen Wendungen zu begeistern weiß.

Dietmar Wunder überzeugt in diesem Hörbuch als Interpret. Man kennt ihn als die Synchronstimme von Daniel Craig, und so ist es nicht verwunderlich, dass vor dem inneren Auge des Hörers öfter mal Daniel Craig erscheint, wie er die eine oder andere Situation meistert.

Wer mehr über „Carte Blanche“ und seine Entstehung wissen möchte, dem empfehlen wir unser Hörspiegel-Interview mit Jeffery Deaver: In der Rubrik „Interviews / Autoren“.

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