Es war einmal Hot

Michael Brinkschulte   01. November 2013  
Es war einmal

Rückentext

Es war einmal …

So beginnen die meisten Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Wie aber klingen Märchen heute? Renommierte Schriftsteller haben sich auf die Spuren der Gebrüder Grimm begeben und erzählen ihre Märchen neu.

So singt Felicitas Hoppe mit ‚Die Rolle‘ ein Lob auf die Faulheit. Kerstin Specht macht aus ‚Rapunzel‘ eine alleinerziehende Mutter. Raj Kamal Jha versetzt den ‚Froschkönig‘ an einen Swimmingpool in Neu-Delhi. Und Uwe Timm überliefert eine Wandersage, die durch das Nachkriegs-Hamburg führt.

Ein einzigartiges Märchen-Potpourri, exklusiv produziert für die Sendereihe ‚radioTexte – Das offene Buch‘ vom bayrischen Rundfunk, gelesen von den Autoren sowie Hans Kremer und Horst Sachtleben. Mit Musik von Ardhi Engl.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
8,0
Sprecher 
 
8,0
Aufmachung 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
8,3

Wie ist das Hörbuch umgesetzt?

Die zwei CDs umfassende Märchen-Produktion steckt in einem Digipack, das zusätzlich noch ein Booklet mit Informationen zu Autoren und Sprechern beinhaltet.

Die CDs beinhalten folgende Märchen:

1. Felicitas Hoppe – Die Rolle
2. Marjana Gaponenko – Das Mädchen ohne Hände oder Wie Rada ihr Glück fand
3. Raj Kamal Jha – Der Kakerlakenkönig
4. Kerstin Specht – Der Turm und die Haare
5. Felicitas Hoppe – Das Beil
6. Ingo Schulze und Christine Traber – Henkerslos oder Wie das Leben vergeht
7. Uwe Timm – Der Gang durch die Trümmer

Die Märchen werden zum Teil von den Autoren selbst, zum Teil von professionellen Sprechern gelesen. Unterschiede in der Qualität der Interpretationen sind klar auszumachen.


Resümee/Abschlussbewertung:

Sieben Märchen aus heutiger Zeit werden mit diesem Hörbuch präsentiert. Hinsichtlich Moral und inhaltlicher Ausrichtung sehr unterschiedlich angelegt, treten dem Hörer Texte entgegen, die zum Nachdenken anregen.
Die Intensität der Texte wird zum Teil durch den Vortrag verstärkt, zum Teil leider auch etwas abgeschwächt. Meiner Meinung nach hätte dem zweiten Märchen, das von der Autorin vorgetragen wird, ein professioneller Sprecher mehr Atmosphäre entlocken können.

Alle Märchen sind inhaltlich tiefgründig, setzen jedoch unterschiedliche Akzente, sodass sich ein direkter Vergleich verbietet. Interessant war für mich eine gewisse Parallele, die Raj Kamal Jha in seinem Text zu Kafkas Verwandlung knüpft, was nicht unbedingt beabsichtigt sein muss.

Insgesamt eine gelungene Sammlung mit dem Beweis, dass auch heute noch Märchen entstehen, wenn auch nicht aus dem alt hergebrachten mündlichen Erzählen heraus, sondern als Ergebnis von Autorenarbeit.

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