Die Ehe des Herrn Mississippi

Die Ehe des Herrn Mississippi Hot

Michael Brinkschulte   31. Dezember 2014  
Die Ehe des Herrn Mississippi

Film-Tipp

Studio/Verlag
Erscheinungsjahr
Format
Anzahl Medien
1
FSK-Freigabe
FSK 12

Rückentext

Bonusmaterial: Booklet mit vielen Bildern und Infos

Generalstaatsanwalt Florestan Mississippi (O.E. Hasse) will die Welt mit Moses „Zahn-um-Zahn-Gesetzt“ reformieren, sein Jugendfreund Saint-Claude (Martin Held) sieht in Karl Marx die Rettung. Der dritte Weltverbesserer Graf Bodo von Überlohe-Zabernsee (Hansjörg Felmy) ist ein christlicher Träumer. Angelpunkt des Geschehens ist Anastasia (Johanna von Koczian), die ihren Ehemann vergiftet hat. Sie gesteht Mississippi den Mord. Nachdem ihr Monsieur Mississippi im Gegenzug gebeichtet hat, er habe sein treuloses Weib ebenfalls umgebracht, heiraten die Beiden. Später landet im politischen Ränkespiel der Fanatiker einer im Irrenhaus, der andere wird erschossen, der Dritte sucht Trost im Alkohol – und Anastasia, die schöne und gefühllose Frau, reicht letztlich einem kalten Karrieristen (Charles Regnier) die Hand zum Bund. Ein Triumpf des Bösen? Nein, so ist das auf der Welt, und so wird es immer weitergehen.

Mit ‚Die Ehe des Herrn Mississippi‘ präsentiert Pidax Kurt Hoffmanns (Wir Wunderkinder, Das Wirtshaus im Spessart) „kabarettistische Schauerballade“ nach dem berühmten Theaterstück Friedrich Dürrenmatts. Der Schweizer Dramatiker arbeitete persönlich am Drehbuch mit: „Für den Film habe ich vom Stück nur die Fabel genommen und auf ganz andere Weise erzählt. Das Komödiantische ist mehr herausgearbeitet, es wurde zur politischen Satire. Der Film hat größere Narrenfreiheit bekommen, die Dialoge sind zu 95% neu, auch der Schluss ist anders.“ Der Film glänzt mit moralisch-satirischen und grotesken Schein-Fakten, Denkkurzschlüssen, allerlei utopischen Konstellationen. Dazu teilt er noch treffsichere Seitenhiebe aus wie: „Sind Sie ein Gangster?“ – „Schlimmer, ein Politiker.“ Herausragend ist die Besetzung mit dem sonoren O.E. Hasse, dem zynischen Charles Regnier und einer „männerfressenden“ Johanna von Koczian. Hoffmanns politisches Schauerstück betritt filmisches Neuland.

Hörspiegel-Meinung

Story/Inhalt 
 
9,0
Atmosphäre 
 
9,0
Darsteller 
 
9,0
Soundtrack 
 
8,0
Aufmachung/Extras 
 
8,0
Gesamtwertung 
 
8,6

Wie der Rückentext schon verrät, ist die Filmadaption des Bühnenstückes von Friedrich Dürrenmatt für diese Produktion deutlich abgewandelt worden. Und gerade dadurch wird der Film zu einem Hochgenuss, da er die Erwartungen des Bühnenstück-Kenners durchbricht und einen ganz neuen Fokus eröffnet. Der im Film dargelegte Zynismus hinsichtlich der Machenschaften in der Politik, ist grandios in Szene gesetzt, wie auch der Rest des Films. Da werden die Finessen der Politik, Attentate auf spezielle Gebäude gemeinsam mit den Tätern festzulegen, da diese sowieso weg sollen ganz beiläufig eingeflochten. Da ist es egal, ob jemand einen anderen Menschen ermordet hat, Hauptsache diese Tat wirft kein schlechtes Licht.

Ein herrlich satirischer Film mit vielen Seitenhieben, die auch heute noch, mehr als 50 Jahre nach der Entstehung, bestens treffen.


Nun noch ein paar Angaben zur Bildqualität, dem Ton und dem Bonus der DVD:
Der Film kommt in Dolby Digital 2.0 und der deutschen Originaltonspur daher. Das Bild des in schwarzweiß und dem Format 1.66:1 gedrehten Films ist hervorragend und weist keine Alterserscheinungen auf.
Als Bonus sind zwei Trailer auf der DVD. Zusätzlich ergänzt ein Booklet den Film. Dabei handelt es sich um den Nachdruck des Originalheftes ‚Illustrierte Film-Bühne‘ mit Fotos und Informationstexten.

© 2002 - 2024 Der Hörspiegel - Lesen, was hörenswert ist. --- IMPRESSUM --- DATENSCHUTZ