Leipziger Buchmesse 2012: Impessionen

Leipziger Buchmesse 2012: Impessionen Hot

Michael Brinkschulte   19. März 2012  
Leipziger Buchmesse 2012: Impessionen

Bericht

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Veranstaltungsdatum
17. März 2012
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Hörspiegel-Bericht

Schon der Weg zur Buchmesse gibt einen Hinweis darauf, wie groß das Interesse an Literatur ist. Ein Stau auf der Autobahn wirft meinen Zeitplan etwas durcheinander, doch ich schaffte es noch pünktlich zu den vorgenommenen Live-Events. Aber dazu später.

Die diesjährige Leipziger Buchmesse gibt der geballten Präsenz von über 2100 Ausstellern Raum und ist erneut gekoppelt mit dem großen Lesefest der Stadt unter dem Titel ‚Leipzig liest‘, an dem 2700 Menschen mitwirken. In den Hallen 2, 3, 4 und 5 sowie der Glashalle des Eingangs West tummeln sich die Literaturbegeisterten von nah und fern.
Doch nicht nur die Literatur steht im Mittelpunkt. Dies wird ganz deutlich, wenn man sich das Publikum ansieht. Viele Menschen sind in Manga-Gewänder, Rollenspielverkleidungen und Kostüme gekleidet und geben der Buchmesse ein ganz eigenes Gesicht. Das schöne Wetter am Samstag lässt es zu, dass das großzügige Außengelände mit Teich zum ‚Schaulaufen‘ und Ausruhen genutzt wird. Und so kommt es, dass viele unterschiedliche Charaktere einander betrachten, Fotografieren oder einfach nur bestaunen. Das vielfältige Neben- und Miteinander des Publikums zeigt erneut, wie Literatur über kulturelle und Altersgrenzen hinweg verbindet.

Mein Weg führt mich auf dem Weg in die Halle 2, die ich zuerst ansteuern will, durch die Glaskuppel vorbei an Lesungen an Ständen von ‚Radio Deutschland Kultur‘, dem Lokalradio der Uni Leipzig ‚Mephisto 97.6‘, wo gerade Marion Brasch ihr neues Buch ‚Ab jetzt ist Ruhe‘ vorstellt.
Das Gedränge ist riesig und der Weg in die Halle 2, der über zwei Brücken geführt wird, kann nur gemächlich und mit viel Geduld gebahnt werden. Endlich in der Halle angekommen zeigt direkt am von mir genutzten Eingang die ‚Bundeszentrale für politische Bildung‘ Präsenz. Weiter führt mich mein Weg vorbei an vielfältigen Ständen der Schulbuchverlage, die im Rahmen der Ausstellungsfläche ‚Leipziger Buchmesse Fokus Bildung‘ zu finden sind. Ähnlich der Didacta, die in diesem Jahr in Hannover Station machte, sind vielfältige Stände zum Bereich Bildung vertreten, vom Schulbuch bis zur Schultasche ist alles zu sehen.
In der Halle 2 finden sich jedoch nicht nur Bücher zum Thema Bildung, nein, hier ist auch das Ziel der Rollenspieler und Manga Fans. Auf großen Flächen finden sich neben Comics und einem Signierbereich in dem die Künstler im Dauereinsatz ihre Werke unterzeichnen, ein umfangreicher Rollenspielbereich, ein Anime-Kino und mehr. Auf einer Bühne an der ich vorbei komme wird gerade von einer Zeichnerin die Entstehung eines Manga-Bildes Schritt für Schritt erklärt und visuell umgesetzt. Das Interesse des Publikums ist groß und die Zeichnerin versucht das Publikum zum Mitgehen zu animieren.

Mein Weg führt mich unter anderem zur Lesebude 2, einer Bühne auf der der Autor T.A.Baron eine Lesung aus seinem Buch ‚Merlins Drache – Die Schlucht der endlosen Feuer‘ zum Besten gibt. Hier bekomme ich mit, dass einige junge Fans von Barons Büchern aufgrund der Ankündigung der Lesung von einer falschen Voraussetzung ausgegangen sind. Baron liest auf Englisch und nicht auf Deutsch, wie wohl aufgrund des auf der Ankündigung benannten deutschen Buchtitels angenommen worden war. Doch tut dies der Laune der jungen Lesefans keinen Abbruch.

Weiter führt mich meine Reise durch die vielfältige Bücherwelt zur nächsten Bühne auf der das neue Buch zur Fernsehserie ‚Allein gegen die Zeit‘ vorgestellt wird. Dazu sind die jungen Hauptdarsteller der Serie erschienen und stellen sich den Fragen der Moderatorin. Der Andrang hier ist groß, sodass die Zuschauer auch auf dem Gang stehen, und auch die anschließende Möglichkeit Autogramme zu bekommen wird ausgiebig genutzt. Wir Zuschauer erfahren, dass die Schauspieler viel Spaß beim Dreh hatten und sich wünschen, dass es eine dritte Staffel der Serie geben wird. Die Entscheidung dazu, ob es eine Fortsetzung geben wird, ist jedoch noch nicht gefällt. Und so heißt es für die Fans wieder einmal: abwarten!

Im Anschluss an diese Buchvorstellung übernimmt der Karl May Verlag die Bühne und dies mit hochkarätigen Gästen. Mitglieder der Jury des Schreibwettbewerbs ‚Eine Feder für Winnetou‘, den der Karl May Verlag mit weiteren Partnern veranstaltet hat und der unter der Schirmherrschaft von Ursula von der Leyen stand, sind zur Überreichung der Preise an die drei Erstplatzierten gekommen. Neben Tanja Kinkel, Wolfgang Hohlbein ist auch Wolfgang Antritter vertreten, um nur drei Mitglieder der Gesprächsrunde zu nennen, die aus Jurymitgliedern gebildet wird. Die Moderation der Preisverleihung, die mit jeweils einer kurzen Lesung aus den Gewinnertexten verbunden ist, übernimmt Jurymitglied Stefan Gemmel. Hervorgehoben werden die große Beteiligung am Wettbewerb, sowie die hohe Qualität der Beiträge der jungen Autoren, die sich mit der Vorgabe des Kennenlernens von Winnetou durch Martin Baumann auseinandersetzen mussten.
Die drei Erstplatzierten im Alter von 11 bis 14 Jahren lesen souverän Auszüge ihrer Beiträge vor und stellten damit klar, dass der Nachwuchs in den Startlöchern steht. Die Urkunden überreicht Tanja Kinkel, die zuvor, wie auch die anderen Jurymitglieder, im Gespräch betont hat, welchen Stellenwert Karl May in ihrer Lesesozialisation darstellt.

Nach umfangreichem Durchstreifen der Halle 2 wechsele ich in Halle 4, in der unter anderem der Buchverkauf in der Messebuchhandlung für Nachschub bei den Lesern sorgt. In dieser Halle ist zudem das Forum von ‚Leipzig liest‘ mit dem Hauptteil seiner Aktionsfläche zu finden. Dort finden vielfältige Lesungen an unterschiedlichen Stellen statt. Das Aufgebot an Möglichkeiten ist kaum zu überblicken, so vielfältig ist es.
Desweiteren befinden sich in der Halle 4 internationale und deutsche Verlage sowie das Thema Musik im Musikcafe Klangquartier. Mit unterschiedlich gestalteten Ständen machen die einzelnen Aussteller auf sich auf aufmerksam. Mal schlicht, mal grell mal protzig, es ist für jedes Auge etwas dabei.

Ich wende mich hinüber zur Halle 5 in der sich viel um digitale Medien und E-Books dreht, Multimedia eine große Rolle spielt und junge Verlage einen Platz haben. Immer mit der Möglichkeit sich einen genauen Einblick zu verschaffen, mit den an den Ständen anwesenden Personen ins Gespräch zu kommen und in gemütlicher Umgebung in Büchern zu stöbern, wartet dieser Bereich auf. Das Forum ‚Leipzig liest‘ hat auch in dieser Halle zwei größere Flächen, eine steht unter dem Motto ‚Leipzig liest digital‘ und wagte somit den Sprung in die immer großer werdende Welt der digitalen Buchwelt.
Die Halle erweist sich für mich als Erholungsgebiet, da sie nicht so stark im Mittelpunkt des Interesses zu stehen scheint, wie Halle 2, 3 und 4. Der Besucherstrom wendet sich eher zum klassischen Buch oder, aufgrund des hervorragenden Wetters, das mit Temperaturen über 20 Grad daher kommt, in den Außenbereich zum sonnigen Zwischenstopp.

Halle 3, die mein nächster Anlaufpunkt ist, ist allein schon daher von Interesse, als die Hörbücher dort ihren Standort haben. Zusammengeschlossen zu einem großen Stand als Gemeinschaft der Hörbuchverlage wird dort mit Neuheiten aufgewartet. Die Auswahl ist recht umfassend, leider ist die Stellfläche zum Teil stark umlagert. An einigen wenigen Regalen kann der interessierte Hörer Hörproben auf CD finden, zumeist sind jedoch Kataloge und Flyer für das Publikum zum Mitnehmen gedacht. An anderen Stellen stehen Hörsäulen, an denen in einzelne CDs herein gehört werden kann. Durch die verschachtelte Stellweise und die recht eng gehaltene Ausstellungsfläche pro Verlag fühle ich mich nicht besonders angesprochen, doch der Umlagerung des Bereiches selbst ist klar entnehmbar, dass Hörbücher deutlich im Blickfeld der Konsumenten stehen.

Neben den Hörbüchern wird in der ‚Hörspiel Arena‘ all jenen ein Bereich geboten, die sich mit Hörspielen aller Art von Krimi bis Fantasy unterhalten lassen wollen. Als ich dort ankomme ist gerade Helmut Krauss im Gespräch auf der Bühne und es werden Einblicke in die Fortsetzung der Serie ‚Offenbarung 23‘ gegeben. Ab den neuen Folgen wieder aus der Feder von Autor Jan Gaspard, dessen Vorlagen die Fangemeinde der Serie schmerzlich vermissten. Mit neuem Schwung und soll es weiter gehen und besser als zuvor.
Von der Hörspiel Arena aus führt mich mein Weg durch die vielfältigen Gänge der Halle 3, in der neben dem riesigen antiquarischen Bereich der ‚Literaturmeile der Leipziger Antiquariatsmesse‘, Fernsehmedien, Universitäten, Museen und viele andere Aussteller ihren Platz gefunden haben. Ein besonders umlagerter Stand ist hier der des Gutenberg-Museums Mainz, an dem an einer alten Maschine der Buchdruck detailliert erklärt wird.

Nach weiteren langen abgeschrittenen Gängen wende ich mich langsam wieder dem Ausgang in Richtung der Glaskuppel zu, um von dort aus nochmals in Halle 2 unterzutauchen, um ganz in Ruhe noch einige Verkaufsstände näher in Augenschein zu nehmen. Mit gefüllten Taschen verlasse ich anschließend die Halle, um noch ein wenig das schöne Wetter zu genießen.

Fazit:

Die Eindrücke auf der Leipziger Buchmesse sind vielfältig, das Umfeld wirkt fast familiär, obwohl es an einigen Ecken recht beengt ist. Insgesamt zeigt sich, dass Literatur in jeglicher Form hoch im Kurs steht.

Weblink

http://www.leipziger-buchmesse.de

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