Frankfurter Buchmesse 2013

Frankfurter Buchmesse 2013 Hot

Michael Brinkschulte   20. Oktober 2013  
Frankfurter Buchmesse 2013

Bericht

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09. Oktober 2013
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Hörspiegel-Bericht

An zwei unterschiedlichen Tagen, am nur für Fachpublikum geöffneten Mittwoch und am für alle interessierten Besucher geöffneten Samstag, waren die beiden Hörspiegel Redakteure Christine Rubel und Michael Brinkschulte auf der Frankfurter Buchmesse 2013 unterwegs.

Hier ihre Berichte von den einzelnen Tagen:

Mittwoch 9.10.2013

Es war mal wieder so weit – die Frankfurter Buchmesse stand an. Nun schon zum dritten Mal fuhr ich nach Frankfurt und kam diesmal auch ohne Umwege an. Der Mittwoch als erster Messetag ist noch ziemlich ruhig und so konnte ich ohne viel Gedrängel schauen und stöbern.
Natürlich standen die Hörbuchverlage an erster Stelle, aber auch die großen Verlage der Belletristik waren mehr als einen Blick wert.

Als erstes gelangte ich an den Stand der Audio Media Group. Sie stehen für deutsche Kriminalliteratur. So stehen Andreas Franz (jetzt weiter geschrieben von Daniel Holbe, da Andreas Franz mittlerweile verstorben ist), Andreas Föhr und Gisela Pauly im Programm. Aktuell ist auch die neue Krimizeit Edition mit zehn Krimis von Autoren wie Sara Gran, Deon Meyer, Friedrich Ani und noch sieben weiteren bekannten Autoren. Aber auch Matthias Sachau und Markus Heitz sind hier zu finden. Aktuell ist die SnapCard, eine Karte zum Downloaden von E-Books der Marke Snapload.

Der Hörverlag setzt eher auf bekannte Autoren. So gibt es etwas Neues von T.C. Boyle, wie immer gelesen von Jan Josef Liefers. Sherlock Holmes und Agatha Christie stehen wie Elizabeth George, Joy Fielding und Hakan Nesser im Programm. Die Klassiker dürfen natürlich auch nicht fehlen, wie James Joyce, Emily Brontë, Theodor Fontane und eine Reise durch die Welt von William Shakespeare. Aber auch neuere Autoren wie Elisabeth Hermann, Michael Robotham und das neue Hörbuch von Jonas Jonasson über die Analphabetin Nombeko Mayeki finden sich hier.

Bei cbj audio gibt es "Die seufzende Wendeltreppe", den neuen Roman von Jonathan Stroud zu entdecken, in dem drei Agenten von Lockwood & Co gegen Geistererscheinungen in London kämpfen. Für schaurige Momente steht "Die Puppenkönigin" von Holly Black. Diese Hörbücher sind für Kinder und Jugendliche ab 12/10 Jahren geeignet.

Der Audio Verlag, kurz DAV, punktet mit "Das Wesen der Dinge und der Liebe", dem neuesten Roman der Bestsellerautorin Elizabeth Gilbert, eine Monumentallesung auf 3 MP3s oder 20 CDs mit 27 Stunden Laufzeit. Ein Leben für die Botanik und die Liebe um 1800. Von Paul Auster ist eine Autobiographie erschienen. Magisch wird es mit "Golem und Dschinn" von Helene Wecker.
Auch Klassiker wie Victor Hugo, Georg Büchner und Leo Tolstoi fehlen nicht und es ist zumindest bei Tolstoi Ausdauer gefragt, denn "Anna Karenina" mit 40 Stunden Laufzeit und "Krieg und Frieden" mit 67 Stunden sind nicht nur für Sprecher Ulrich Noethen, sondern auch für den Hörer eine Herausforderung. Sowohl von Jussi Adler-Olsen wie auch von Rita Falk gibt es den fünften Kriminalfall. Carl Mørk ermittelt wieder in einem brisanten Fall, mit Hilfe eines jugendlichen Einbrechers, Franz Eberhofer immerhin in München, nachdem er aus Niederkaltenkirchen gemeinerweise versetzt wurde. Die Mafia zieht nach Frankreich, zwar im Zeugenschutzprogramm, aber so ein Mafioso lässt sich nicht verleugnen. So sind die Verwicklungen schon vorprogrammiert in Tonio Benaquistas " Bad Fellas", der im August in hochkarätiger Besetzung in die Kinos kommt.

Random House liebt Führungskräfte: der eine war Bundeskanzler, wird 95 und heißt Helmut Schmidt, der andere ist die Variante, die man gerne sieht, aber niemals haben will: Stromberg.
Aber auch mit Autorinnen wie Diana Gabaldon und Joanne K. Rowling gibt es ein Wiederhören. Zum einen der achte Band um Jamie Fraser, zum anderen einen Krimi unter dem Pseudonym Robert Galbraith, beides ungekürzte Lesungen von 32 – 18 Stunden. Als gekürzte Lesung zum Kinostart kommt "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak, eines meiner Lieblingsbücher. Neues kommt auch von Stephen King, Nicholas Sparks und David Baldacci, aber auch die CSI-Märchen sind mit neuen Fällen da. Für das Herz ist der Roman "Das Licht zwischen den Meeren" von M.L. Stedman, der in Australien spielt.

Hörbuch Hamburg hat neben Bestsellerautoren wie Daniel Kehlmann und Joe Nesbø auch wieder einen neuen Roman von Oliver Pötzsch zu bieten, der um 1524 in der Zeit der Bauernkriege spielt.
"Shot Gun Love Songs" von Nickolas Butler erzählt von Schulfreunden, die sich nach Jahren wieder in ihrer Heimatstadt treffen, berühmt, zerrissen, gescheitert. Einen neuen James Bond gibt es ebenfalls, geschrieben von William Boyd als Nachfolger von Ian Fleming. "The Bone Season – Die Träumerin" von Samantha Shannon ist für alle Harry Potter Fans. Aber auch die Novelle "Die Spieluhr" von Ulrich Tuktur ist im Programm und ein Geheimtipp. Das Hörbuch "Wunder" von
Raquel J. Palacio, bekam in zwei Kategorien den deutschen Kinderhörbuchpreis zugesprochen. Ebenfalls im Osterwoldt Verlag erschienen ist der Roman " Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" von Joël Dicker, als ungekürzte Lesung von 730 Seiten auf MP3 sicherlich auch eine Herausforderung und hochgelobt. Dort geht es um die Mordanklage gegen einen berühmten Schriftsteller, der seine Geliebte umgebracht haben soll.

Der Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage war wie im letzten Jahr in Halle 4.1 zu finden, allerdings noch kleiner als im letzten Jahr, sehr versteckt und ungünstig gelegen. Von Herrn Würth von Audiopool erfuhr ich, dass es wohl auf der Kippe stand, ob es den Stand überhaupt noch geben wird und das die Zukunft ungewiss ist. Das wäre natürlich besonders für die kleinen Verlage sehr schade. Audiopool vertritt mehrere kleinere Hörbuchverlage wie zum Beispiel den Mono Verlag und den Ohrenschmauss Verlag, von denen ich auch Hörexemplare zum Bewerten bekam.
Die größeren Verlage sind längst zur Belletristik in Halle drei gezogen, auch dort teilweise stark verkleinert. Die Buchmesse lebt doch von der Vielfalt und auch die Nischenverlage haben einiges zu bieten. So zum Beispiel der Verlag Zyx, an dem ich wie immer sehr herzlich empfangen wurde. Die Auswahl ist zwar klein, aber fein und so stand diesmal nur ein Hörbuch im Vordergrund: Das neue Hörbuch von Paulo Coelho "Kein Tag gleicht dem anderen", gelesen von Sven Goertz und mit Musik von Martin Stock. Obwohl ich kein Fan von der Kombination Coelho und Goertz bin, war ich doch beeindruckt von der Vorstellung der CD, denn es ist eine ungewöhnliche Lesung mit einer Musik, die Gänsehaut fabriziert. Anfang des Jahres wird auch ein neuer Krimi von Mechthild Borrmann erscheinen, die bei uns schon für ihren letzten Krimi mit dem Prädikat Hörenswert ausgezeichnet wurde.

Eine Stippvisite in die brasilianische Halle musste natürlich auch sein. Ließ ich mich das letzte Mal noch von der eher mageren Beschilderung zur Halle des Ehrenlandes abhalten, fand ich sie ganz oben und war beeindruckt. Nicht nur, dass es direkt ein paar Grade wärmer wurde, auch die Wanddekoration mit Grafitti, vielen Büchern, auf dem Boden verstreuten Kissen zum Sitzen und natürlichen dem kleinen Hängemattenpark, an deren Pfählen Bildschirmen angebracht waren, auf denen Buchtexte in verschiedenen Sprachen liefen, fand ich gut. Neben vielen Reiseführern, Bildbänden, Sprachführern gab es auch Belletristik zu entdecken. Auf riesigen Bildschirmen wurden Bilder einer brasilianischen Landschaft gezeigt, die einen umgab.

Mittagspause:
Zum Glück war es trocken und so konnte ich den Flammkuchen draußen genießen. Es gab für die Pause auch Stände zum Hinfläzen und Lesen, was natürlich auch gut angenommen wurde.

Zurück in Halle drei gab es noch einen Zug durch die Belletristik und Krimiabteilung. Natürlich zum KBV Verlag, der zwar wenige Hörbücher hat, uns aber auch regelmäßig mit Krimis aus der Eifel versorgt. Aktuell ist der neue Roman "Eifelkrieg" von Jaques Berndorf, den es auch als Hörbuch gibt. Ansonsten ist hier immer gut aufgehoben, wer es skurril und witzig mag, auch gibt es viele kriminelle Kurzgeschichten zu entdecken.

Der Gmeiner Verlag ist natürlich auch ein Highlight der lokalen Krimiszene, durch die ich mich seit zwei Jahren mit Begeisterung lese. Sie haben zwar keine eigenen Hörbücher, doch ist zum Beispiel ganz aktuell "Hühnerhölle" bei Radioropa erschienen und immer wieder tauchen ihre Bücher als Hörbücher auf. So zum Beispiel Autoren wie Manfred Bomm, Bernd Franzinger und Marlene Faro.

Radioropa ist sowieso ein Verlag, bei dem die lokalen Krimis eine Chance haben und das ist auch gut so. Vom Dortmunder Grafit Verlag taucht Lucie Flebbe auf, deren ungewöhnliche Heldin Lila Ziegler nun so gar nicht der typischen Protagonistin entspricht. Titus Müller mit "Nachtauge" hat mich begeistert. Aber auch historische Romane wie " Die geheime Braut" von Brigitte Riebe, der amerikanische Thriller "Wölfe der Nacht" von Benjamin Percy (als Geheimtipp), Sachhörbücher und Frauenliteratur sind im Programm.

Einer der größeren Verlage, die ihr Programm sowohl in gedruckter Form wie auch zum Hören anbieten, ist Lübbe. Immer noch ein Hit ist "Er ist wieder da", von Timur Verne. Auf die Nachfrage, ob es eine Fortsetzung der Augentrilogie von Sebastian Fitzek gibt, gab es leider keine Antwort.
Eine Biographie von Uwe Ochsenknecht, Neues von Rebecca Gable und Daniela Katzenberger sind im Programm. Ein Highlight war, dass es von den neuen Hörbüchern direkt am Stand Hörproben mit Kopfhörern gab. Eine schöne Idee.

Fazit: Es war ein äußerst informativer Tag mit vielen Neuigkeiten. Alle Neuheiten hier aufzuführen, ist eh ein Ding der Unmöglichkeit. Aber so viel ist versprochen: Für jeden ist im kommenden Halbjahr etwas dabei. Ob es auf Abenteuerreise geht, gruselig wird, herzzerreißend romantisch oder mörderisch spannend. Auffällig fand ich die vielen ungekürzten und bis zu 30 Stunden langen Hörbücher. Wünschen würde ich mir ein paar Sprecher, denn zu einem runden Hörerlebnis gehört ein guter Sprecher dazu. Wie immer gab es Insidertipps von den Verlagsmitgliedern, die auch mal Bücher und Hörbücher empfahlen, die nicht ganz vorne in den Katalogen stehen. Zwar kam auch manchmal der Spruch: "Ach wissen Sie, mir muss nicht alles gefallen, ich muss es nur verkaufen", aber wenn jedem alles gefallen würde, wäre die Auswahl nicht so vielfältig und interessant. Das war aber auch die Ausnahme. Es gab sie doch noch, die Begeisterung für das geschriebene und gesprochene Wort und so konnte ich mit Katalogen bepackt nach Hause fahren.


Samstag 12.10.2013

Nach einer entspannten und ohne Staus verlaufenden Anfahrt erreiche ich das Parkhaus ‚Am Rebstock‘, von dem aus der Bus-Transfer zu den Messehallen startet. Ohne Wartezeit geht es mit dem Bus zur Galeria und von dort aus entere ich die Welt der diesjährigen Buchmesse. Die Hallen sind bereits gut gefüllt und mir fällt auf, dass sich einige Manga-Fans in unterschiedlichsten Kostümen durch die Hallen bewegen. Doch dieser erste Eindruck wird im späteren Tagesverlauf noch verändert. Es sind nicht einige Manga-Fans in diesem Jahr, sondern unzählige, die sich einerseits in den Hallen tummeln, sich vor allem aber auch auf dem Freigelände mit Brunnen und Brücken den Besuchern präsentieren und gern für Fotos posieren.

Zuerst bewege ich mich ohne konkretes Ziel durch die unterschiedlichen Hallen, um mir einen Überblick über das diesjährige Angebot zu verschaffen. Dabei fallen mir in einigen Hallen des Öfteren leere verlassene Stände auf. Ganz im Gegensatz zu den letzten Jahren sind nicht alle Standplätze gefüllt, einige Verlage scheinen zwar angekündigt, jedoch nicht erschienen zu sein. So entstehen Lücken in den Ausstellungsflächen, die jedoch nicht selten vom Publikum selbst als Ruhezone und zum telefonieren genutzt werden.

Mein Weg führt mich in Halle 4, die mehrere Etagen bietet und ich treffe dort auf die ‚Leseinsel der unabhängigen Verlage‘ auf der der ehemalige MTV-Moderator Steve Blame aus seinem neuen Buch erzählt. Ja richtig, er setzt sich mit musikalischen Aspekten, speziellen Künstlern aus den vergangenen Jahrzehnten auseinander, liest dabei nicht einfach Passagen aus seinem Werk, sondern fasst seine Ideen, Beobachtungen und Erlebnisse in einen offenen auf das Publikum eingehenden Vortrag. Das Publikum erscheint interessiert und verweilt längere Zeit bei Blame, dessen lockere Art den kurzeiligen Vortrag unterstützt.

Weiter führt der Weg durch die Hallen, ich entdecke zunehmend mehr Menschen, die sich als ‚Schnäppchenjäger‘ betätigen, zum Teil Rollkoffer und große Rucksäcke mit sich führen, um dort die Kataloge, Hörproben, Leseproben und mehr unterbringen zu können. Zum Teil scheinen einige Besucher ohne einen konkreten Blick auf die ausliegenden Dinge zu werfen einfach nur zuzugreifen und einzupacken. Andere Besucher bewegen sich gezielt durch die Gänge, halten sich lange an gezielt ausgesuchten Ständen auf und beginnen, sich mit einzelnen Veröffentlichungen intensiv auseinander zu setzen.

Ich selbst wende mich gezielt Ständen mit Hörbüchern und Hörspielen zu und stelle fest, dass sich die Bandbreite der Veröffentlichungen auch in diesem Jahr wieder immens darstellt, der Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage sich jedoch klein darstellt. Von Kinderhörspielen für die Kleinsten über Wissenshörbücher, Ratgeber, Krimis, Science Fiction, historische Romane bis hin zu Literaturklassikern, reicht das Feld, und dies auch international mit unterschiedlichen Sprachen.
Als ich im weiteren Verlauf meiner Erkundung am ‚Kulturstadion‘ vorbei komme, gibt gerade Fußballlegende Uwe Seeler Autogramme.

Am Stand vom Zeitbrücke Verlag treffe ich Herrn Fieback, der mir die neuesten Veröffentlichungen des Verlages vorstellt. Aktuell ist natürlich passend zum historischen Datum das von Torsten Münchow erzählte und mit historischen Bezügen gespickte Hörbuch ‚Napoleon und die Völkerschlacht – Entscheidung bei Leipzig‘. Darüber hinaus hat sich der Verlag zusätzlich einem anderen Genre zugewandt, den Short Storys des Autors Charles Bukowski. Diese sind soeben aus dem Presswerk gekommen und werden dem Frankfurter Publikum als erstem vorgestellt. Erschienen sind zwei Hörbücher, die auf jeweils zwei MP3 CDs ungekürzte Lesungen Bukowskis enthalten. Gelesen werden diese in einem Digipack mit 12-seitigem Booklet erschienenen Stories von Torsten Münchow. Für die nächsten Monate kündigt mir Herr Fieback weitere Wissenshörbücher an, zudem macht er mich neugierig auf andere geplante Veröffentlichungen.
Ich verabschiede mich und wende mich weiteren Ständen zu, die vom Publikum gut umlagert sind, wechsle nach geraumer Zeit im Halle 3. Am Stand von Headroom erfahre ich, dass in den nächsten Monaten einige neue Veröffentlichungen anstehen, die sowohl den Bereich der Bilderbuch-Vertonungen betreffen, als auch die Produktionen im Wissens-Bereich. Da Headroom auch viele Auftragsarbeiten ausführt setzt man bei eigenen Veröffentlichungen klar auf Klasse statt Masse, was sich am Markt bisher bewährt hat. Am Stand von Headroom werden schon am heutigen Samstag Waren zum Kauf angeboten, was bei vielen anderen, vor allem Buchständen, erst am Sonntag beginnt. So wird auch während meines Gesprächs mit Frau Lange von mehreren Besuchern das CD-Sortiment betrachtet, was klar herausstellt, dass das Angebot auf verstärktes Interesse stößt.

Nach einer weiteren Runde durch die nächsten beiden Reihen der Halle, zieht es mich nach draußen, um etwas frische Luft zu schnappen. Ich verlasse die Hallen und wende mich über den großen Platz hinweg dem Ausstellungsbereich von Gastland Brasilien im Forum 1 zu. Auf dem Weg treffe ich auf die auf diesem Platz flanierenden Menschen mit und ohne Verkleidung, die sich den unterschiedlichen dort aufgebauten Veranstaltungsorten zuwenden oder einfach nur entspannen.

Ich betrete das Forum-Gebäude und stehe vor der Hörspiel-Box der ARD, die gleich gegenüber mit einem ganzen Fernseh-Studio dort vertreten ist. Die Treppe hinauf, geht es in den Ausstellungsbereich der Ehrengäste. In der Brasilien-Halle wird der Besucher von Wänden aus Pappe begrüßt, deren Gestaltung von unterschiedlichen Perspektiven andere Eindrücke vermitteln. Man bekommt Einblicke in brasilianische Literatur, das Land, wird auf Fahrrädern auch zum aktiven Leser/Betrachter. Wer hier alle Aspekte erleben und einen tieferen Eindruck bekommen möchte, benötigt viel mehr Zeit, die mir leider nicht gegeben ist. Ich wende mich dem Ausgang zu, um mich erneut der Halle 3 zu nähern. Am Stand des Splitter Verlags mache ich mir einen Eindruck davon, wie viele Comic-Fans sich nach Neuigkeiten erkundigen, bekomme selbst Informationsmaterial in die Hand, was der Verlag in den nächsten Monaten veröffentlichen wird. Von Fantasy, Mythen über die Schilderung der Taten von ‚Jack the Ripper‘ bis Horror reicht das breite Spektrum.
In der Nähe befinden sich die Manga-Comic und Merchendise-Stände, was das Durchkommen in diesem Teil der Halle deutlich einschränkt. Mengen von Fans bemühen sich um Materialien oder an den Autogramm-Tischen auch um Signierung der Bücher. Doch nicht allein dort sind viele Menschen versammelt. An mehreren Bühnen stehen weit über den dafür vorgesehenen Bereich die Zuschauer bis in die Gänge und blockieren das geregelte Fortkommen. Doch durchgehend herrscht eine entspannte Stimmung, niemand reagiert genervt.

Ich komme am Karl May Verlag vorbei, an dem deutlich wird, dass dieser Autor immer noch auf breites Interesse stößt. Ob als Buch oder Hörbuch, die Leser sind vor Ort, um sich zu informieren. Dies wird die Mitarbeiter, die in diesem Jahr das 100-jährige Verlagsjubiläum feiern, sicher freuen.
Am Stand vom Kübler Verlag, muss ich leider erfahren, dass einige Hörbuchproduktionen eingestellt werden. Darunter die Reihe ‚Flashman‘, die nur als Buch weiter geführt wird. Auch die Reihe um Patrick O Brians Kapitän Jack Aubrey steht auf der Kippe, wie mir der Verlagschef erzählt. Die Entscheidung um eine Fortsetzung der Hörbuchreihe fällt in den nächsten Wochen. Grund für die Entscheidungen sind, wie in vielen anderen Fällen bei anderen Verlagen auch, die illegalen Downloads und die damit nicht kostendeckenden Produktionen. Hier erweist sich wieder einmal, dass die Fans der Reihen tatsächlich selbst für eine Einstellung verantwortlich sind, die durch illegale Verbreitung dafür sorgen, dass Produktion und Gewinn nicht mehr im ausgeglichenen Verhältnis stehen.
Der Kübler Verlag setzt verstärkt auf die Printausgaben, die nicht einfach kopiert werden können. Besonders interessant sind dabei, die im letzten Jahr angekündigten und inzwischen mit ersten Bänden veröffentlichen Bücher des Autors Mika Waltari, die in ungekürzter Fassung erscheinen.
Doch auch Hörbücher gehören weiter zum Programm des Verlages, so kam die Hörfassung des Romans ‚Der Wolkenatlas‘, der mit Tom Hanks und vielen weiteren Stars verfilmt wurde, ins Programm des Verlages und überzeugt die Hörer. (Eine Rezension zu diesem Roman finden die Hörspiegelleser auf unseren Seiten.) Nach einem Foto verlasse ich den Stand und wende mich dem Stand von Tacheles/Roof-Music zu, an dem viele Menschen stehen. Der Stand selbst bringt die neuesten Veröffentlichungen zur Geltung, unter anderem auch die Lesung des Literaturklassikers ‚Die Schatzinsel‘ durch Harry Rowohlt, zu der in Kürze eine Rezension beim Hörspiegel erscheinen wird. Vielfältige weitere Hörwerke ziehen das Interesse des Publikums auf sich, sodass ich aufgrund des Andrangs den Rückzug antrete.

Durch die Hallen internationaler, wissenschaftlicher, Lehrbuch und vieler weitere Verlage führt mein Weg. Die Vielfalt der Veröffentlichungen beeindruckt und wirkt zugleich auch wie eine Überforderung, kann man doch leider nicht alles genauer anschauen. Beeindruckend sind die historischen Bücher, die der Besucher im Antiquariatsbereich anschauen darf. Dazu muss jedoch zuvor der Rucksack und die Jacke an der Garderobe abgegeben werden. Da sind die Security-Mitarbeiter konsequent. Die Maßnahme gilt sicherlich einerseits dem Diebstahlschutz, bringt aber auch in den Gängen mehr Platz, ziehen die Besucher hier doch nicht Koffer hinter sich her.
Ich suche nach einer Pause mit schmackhaftem Baguette eines Bistrobereichs die im Außenbereich stehenden Stände auf, an denen von Blechschildern bis zum Schmuck Dinge angeboten werden, die man auf einer Buchmesse eher nicht erwarten würde, die jedoch gut angenommen werden. Doch nicht nur hier werden nicht literarische Artikel angeboten, auch an anderer Stelle in den Hallen sind Dinge ausgestellt, die neben Büchern im Fachhandel angeboten werden können. Vor allem Postkarten und Filme sind im Fokus des Interesses der Besucher.
Besonders deutlich wird mir, dass viele Verlage sich wieder verstärkt einem jungen Leserkreis zuwenden. Kinder- und auch Jugendbücher sowie Lernbücher für das Vorschulalter haben Hochkonjunktur. Dies wird in Teilen auch dadurch herausgestellt, dass einzelne Verlage für Unterhaltungsprogramme sorgen. So finden sich Lesungen mit Handpuppen, Spielmaterialien zum Testen und vieles mehr. Anhand der auf der Messe befindlichen Kinder kann man erkennen, dass diese Ausrichtung fruchtet und Kinder als Zielgruppe den richtigen Weg darstellen. ‚Denn nur wer als Kind an Literatur herangeführt wird, liest auch im Erwachsenenalter‘, so eine Gesprächspartnerin eines Verlages.

Mit einer abschließenden Runde vorbei an kontrastreichen Ständen mit E-Bookreadern und historischen Druckmaschinen, beende ich meinen Besuch nach sieben Stunden und vielen Eindrücken im Gepäck. Es geht zurück zum Parkhaus und zum Glück ohne Stau, jedoch starkem Regen nach Hause.

Weblink

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