Das war die Hörspiel-Arena 2013 in Köln

Das war die Hörspiel-Arena 2013 in Köln Hot

Nico Steckelberg   09. Juni 2013  
Das war die Hörspiel-Arena 2013 in Köln

Bericht

Veranstaltungsort
Veranstaltungsdatum
08. Juni 2013
Bei Amazon kaufen

Hörspiegel-Bericht

Nach der erfolgreichen „Hörspiel-Arena on Tour“ im letzten Jahr eröffnet „das größte Hörspiel-Fest der Welt“ auch 2013 wieder die Pforten. Die Mischung aus Messe, Live-Programm, Fan-Treffpunkt und Schnäppchenmarkt zieht erneut Gäste aus ganz NRW und teilweise deutschlandweit zum Kulturbunker nach Köln-Mülheim. Ein Hörspiegel-Bericht von Astrid Daniels und Nico Steckelberg mit Fotos von Markus Skroch.

Nachdem als Eröffnungs-Event am Vorabend die „Hörtheatrale“ mit dem Stück „Sherlock Holmes und das gefleckte Band“ 90 Minuten lang Live-Unterhaltung, -Spannung und -Krimispaß auf der Bühne vermittelte, öffnet die Hörspiel-Arena am Samstagmorgen um 9:30 Uhr ihre Pforten.

Parkplätze sind um den Kulturbunker Köln-Mülheim herum ausreichend vorhanden. Selbst wenn die Plätze direkt vorm Haus oder auf dem großen, daneben angesiedelten Parkplatz belegt sind: irgendwo in der Nachbarschaft findet sich gewiss ein freier Platz, so dass man nach einem kurzen Fußmarsch durch den Eingang des Bunkers die Hörspiel-Arena betreten kann.

Auch wenn wir erst das zweite Mal hier sind, ist es doch bereits ein vertrautes Gefühl. Also als erstes das Magazin „Die Hörspieler“ der Hörspiel-Gemeinschaft aus dem Flyerständer organisiert, denn darin ist das Programm des Tages mit einigen Detailinfos abgedruckt. Kurz alle wichtigen Infos aufgesogen und dann nichts wie auf ins Getümmel!

Leider steckten wir auf dem Hinweg im Verkehr fest, so dass wir den beschwingten Auftakt verpasst haben. Es hätte sich gewiss gelohnt: "Peter und der Wolf" ist eine musikalisch inszenierte Lesung von Juliane Ahlemeier, die vom A-Orchester der Stadt Köln unter der Leitung von Luis Hernán Angel mit 30 Musikern unterstützt wird.

Wenngleich wir etwas spät dran sind: Kein Weg führt vorbei am Stand des Hörplaneten. Er ist prominent im Treppenhaus des ersten Stocks gelegen. Und egal ob man nach oben oder unten möchte oder auch nur aufs Klo: Man nimmt den Hörplaneten wahr. Also unterhalten wir uns als erstes mit dem frisch von den Toten auferstandenen Dennis Rohling (zumindest in seiner Rolle als „Max, der Butler“) und seinem Labelpartner Michael Eickhorst. Neben der Erfolgsserie „Lady Bedfort“ preisen die beiden ihre überaus unterhaltsame Mystery-Thriller-Serie „Amadeus“ an. Ab der Folge 5 hat sich hier überraschend das Coverlayout verändert, uns interessieren die Gründe für den Wechsel.
„Beim alten Design war nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich um eine Mystery-Serie handelt“, erklärt Dennis Rohling. „Einige potenzielle Hörer dachten wohl, eine Klassik-CD in der Hand zu haben.“
Michael Eickhorst ergänzt: „Ursprünglich sollte sich das Mozart-Porträt auf den Cover Stück für Stück verändern.“ Er zeigt auf ein Poster an der Wand hinter ihm. „Das hier sollte dann die finale Veränderung sein.“
Das Poster zeigt einen stilisierten Totenschädel und damit die konsequente Weiterentwicklung der Skelettierung von Mozarts Gesicht, die bereits bei Episode 4 grafisch begonnen worden war, bevor das Designkonzept umgestellt wurde. Aber auch das neue Coverdesign weiß zu gefallen.
Wir nehmen uns eine Hörproben-CD mit und begeben uns eine Etage höher in den Vorführraum.

Geboten wird hier seit 10:45 Uhr Comedy-Klamauk mit Björn H. Katzur und Martin Stelzle. „Traurich & Alt“ ist ein psychiatrischer Ulk-Dialog mit Kostümierungs-, Musik-, Hiphop- und Imitations-Einlagen. Es gibt vereinzelte Lacher, allerdings wird es dieses Programm voraussichtlich nicht schaffen als das größte humoristische Erbe der Hörspiel-Arena in die Geschichte einzugehen. Irgendwo fehlt der rote Faden, der auch durch die in hoher Schlagzahl aneinandergereihten Wortspielereien und Kalauer nicht ersetzt werden kann.

Wir statten den weiteren Ausstellern einen Besuch ab. Bereits im letzten Jahr hat der deutsche Anime-Verlag „Anime House“ eine Hörspielreihe zur Kult-SciFi-Western-Serie „Saber Rider and the Star Sheriffs“ angekündigt. Und 2013 steht das Ergebnis endlich in den Regalen: Die erste Hörspielfolge mit dem selbstredenden Titel „Die Rückkehr“.
„Wir haben nahezu alle Sprecher der TV-Synchronisation von damals für das Hörspiel gewinnen können“, antwortet Anna Ruhland von Anime House stolz auf unsere Frage nach den Sprechern. Der Grund für die lange Wartezeit von der Ankündigung bis zur Veröffentlichung sei einfach: „Für uns war es wichtiger, die Originalsprecher mit an Bord zu haben, als die Serie schnell auf den Markt zu bringen. Und Schauspieler wie beispielsweise Christian Tramitz haben nun einmal einen sehr vollen Terminkalender.“
Wer die Hörbeispiele im Internet getestet hat, weiß, dass sich das Warten gelohnt hat. „Saber Rider“ ist keine inszenierte Lesung, sondern ein Hörspiel mit Umgebungsgeräuschen, Sounds und einem Soundtrack – nämlich dem Original-Soundtrack von Dale Schacker.
Die Idee zur Serie sei übrigens, so Anna Ruhland, während der DVD-Synchronisation der „Saber Rider Lost Episodes“ entstanden. Ekkehardt Belle, der Hauptdarsteller, sei direkt begeistert gewesen und brauchte nicht lang überzeugt zu werden.

Um 11:45 Uhr gibt es im Rahmen des Bühnenprogramms eine Talkrunde zum Thema „Crowdfunding für Hörspiele“ frei dem Motto „Ohne Moos nichts los“. Die vier Talkgäste sind Oliver Wenzlaff, Frank Kindermann, Marco Göllner und Falk T. Puschmann.
Crowdfunding ermöglicht den Autoren die Produktion von Hörspielen außerhalb der Auftragsarbeit. Es fehlen also die klassischen Geldgeber. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass öffentlich rechtliche und andere Produzenten nicht von der Idee überzeugt sind. Marco Göllners „Goldagengården“ war zwar im Nachhinein für den deutschen Hörspielpreis nominiert, hatte jedoch ursprünglich keinen Produzenten interessiert.
Viele einzelne „Privatinvestoren“ sollen nunmehr das Projekt unterstützen. Sollte die erforderliche Gesamtsumme nicht zusammen kommen, erhält jeder seinen Anteil zurück. Anders als bei einer Spende, bekommt der Sponsor ein Dankeschön. Der eingesetzte Betrag ist hierbei jedem selbst überlassen, es gibt preislich gestaffelte Dankeschön-Paketgrößen.
Frank Kindermann, Produzent der „Mordakte Hannover“, schließt beispielsweise seine Sponsoren bei einem Betrag von 1,50 EUR in sein Nachtgebet ein. Bei einem Betrag von 50 EUR gibt es vor Veröffentlichung eine signierte CD, eine persönliche Nennung im Booklet und freien Eintritt zur Lesung.
Die aktuellen Crowdfunding-Projekte der vier Talkgäste finden sich auf der Seite www.startnext.de. Dort gibt es unter anderem auch einen Überblick über den zu finanzierenden Betrag und die aktuelle Anzahl an Supportern.
Vor allem auf Grund von Marco Göllners rasanten Sprüchen und Kommentaren hat diese Podiumsdiskussion einen höchst lustigen Anstrich. Auch die anderen Redner können humorvoll und schlagfertig auf René Wagners Fragen antworten.

Die direkt anschließende Gesprächsrunde „Talk + Musik“ mit Jan-Friedrich Conrad und Sebastian Pobot ist ebenfalls sehr interessant. Jan-Friedrich Conrad kam wie die Jungfrau zum Kinde zu seinem Job als Musikmacher der EUROPA-Hörspielmusiken. Einer seiner Professoren in der Hochschule war Andreas Beurmann, der nicht nur einer der Mitbegründer des Hörspiellabels Europa (damals: Miller International), sondern auch der Ehemann der „Hörspielkönigin“ Heikedine Körting ist. Das wusste Conrad zu jenem Zeitpunkt, und er fragte ihn ganz selbstbewußt: „Sie machen doch die Drei ???-Hörspiele. Brauchen Sie dafür nicht ab und zu neue Musik?“ Beurmann und Körting gefielen Conrads Stücke auf Anhieb. Und auf Grund der Tatsache, dass sich gerade ein Rechtsstreit mit dem Komponisten Carsten Bohn abzeichnete, war der Zeitpunkt genau richtig.
Natürlich spielen auch bei Hörspiel-Scores die Budgets eine tragende Rolle, die heutzutage geringer ausfallen als früher. Dies wird teilweise durch den technischen Fortschritt ausgeglichen. In den Anfängen musste Jan-Friedrich Conrad in Ermangelung eines Aufnahmegeräts den Vocoder-Titelgesang zu „Die drei ???“ während der technischen Aufnahme live auf das DAT-Masterband sprechen (DAT=Digital Audio Tape). Heute ist die Technik natürlich weiter vorangeschritten. Das hat jedoch auch Nachteile, denn Musik verliert teilweise an Wert, weil jeder zu Hause an seinem Computer die Möglichkeit sie zu produzieren. Das Stichwort lautet „Demokratisierung von Produktionsmöglichkeiten“. Jeder könne heute mit Hausmitteln so klingen wie Pink Floyd in den 70ern.
Auch die Demokratisierung des Vertriebs ist ein Thema. Durch die neuen Absatzmärkte wie beispielsweise das Internet und die Abkopplung vom physikalischen Datenträger verschachtelt sich der Markt immer mehr. Der Schauraum von iTunes und Co. ist unbegrenzt, so dass auch Einrichtungen wie die „Top 40“ an Wert verlieren. Diese wurden ursprünglich geschaffen, um die Auswahl der CDs zu erleichtern, die im Vertrieb aktiv angeboten werden. Schließlich sei die Anzahl der Tonträgerregale im klassischen Supermarkt begrenzt.
Zurück zur Musik: Jan-Friedrich Conrad setzt elektronische Musik nicht mit den Werten „kalt“ und „maschinell“ gleich, wie beispielsweise Kraftwerk dies tun. Mit zwei Live-Einlagen hat er dies auch gleich bewiesen.
Die Titelmelodie von „Die Drei ???“ mit dem prägnanten Vocoder-Gesang machte den Anfang und ließ in der Tat die Herzen der Drei-???-Fans höher schlagen. Das zweite Stück, ein Auszug aus dem Projekt „Simplicity Lab“ von Alpha Boy und J.-F. Conrad, ist eine Keyboard-Melodie mit spielerischem Ausdruck durch Pitchbend und Modulation verschiedener Sounds.

Sebastian Pobot ist Komponist und Verleger bei Highscore Music. Er hält die ursprüngliche „Captain Future“-Musik aus den 1980ern von Christian Bruhn hoch in Ehren. Bei der Produktion der neuen „Captain Future“-Hörspielfolgen fehlten einige Melodien für manche Stimmungen oder Szenenwechsel. Das Füllen dieser Lücken stellte für ihn eine große Herausforderung dar. Er hat sich deshalb bemüht sich selbst nicht in den Vordergrund zu drängen, so dass der Fokus weiterhin ganz klar auf den von Christian Bruhn geschriebenen Melodien liegt.
Im Rahmen der Diskussion über die „Ideenfindung zu Musikstücken“ erzählt Pobot aus dem Nähkästchen: Die Idee für sein erfolgreichstes Stück „Immer wieder“ von Laura kam ihm bei der Parkplatzsuche. Melodiefindung sei ein intuitiver Prozess, da sind sich Conrad und Pobot einig. Bis zu einem bestimmten Punkt sei es möglich, sachlich und überlegt an die Komposition heran zu gehen, aber irgendwann übernimmt dann einfach der innere Impuls und übergibt danach den Staffelstab an das „Handwerkliche“. Jan-Friedrich Conrad veranschaulicht das spielerisch an Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie („Ta ta ta taaaaa!“).

In der weiteren Diskussion mit Pobot und Conrad kommen auch die Themen Gema, 12-Ton-Musik, die Wichtigkeit von guten Instrumentensounds und immer wieder auch technische Details zu den Aufnahmen zur Sprache. Das ist vor allem interessant für die im Publikum anwesenden Musiker und Tontechnik-Hobbyisten.

Wir treffen Sebastian Pobot später noch einmal und fragen ihn nach seinen künftigen Plänen für sein Label Highscore Music. Neben neuen Folgen seiner bekannten Hörspielserien (u. a. „Offenbarung 23“ & „Captain Future“) wird am 21.06.2013 das neue Van Dusen-Buch „Professor van Dusen in Paris“ erscheinen.
Die viel spannendere Neuigkeit ist jedoch noch ein großes Geheimnis. Pobot ist derzeit in einer fortgeschrittenen Verhandlungsphase für eine neue Hörspielreihe: „Ich möchte noch nichts verraten, bevor die Verträge unterschrieben sind. Nur so viel: Es handelt sich um eine bekannte Marke. Deutlich bekannter als Captain Future.“
Uns interessiert, ob es eine Filmhörspielreihe sein wird, oder ob eigene Autoren neue Geschichten dafür schreiben.
„Es werden keine Filmhörspiele sein“, erklärt Pobot. „Es gibt aber Romane zu dieser Marke. Und auf diese Storys werden wir uns konzentrieren.“
„Sind auch die Sprecher der deutschen Synchronisation vorgesehen?“
„Es gibt in den Hörspielen Figuren aus den Filmen, und dazu gibt es dann auch –falls möglich – die passende Stimme“, sagt Sebastian Pobot. Und mehr verraten, bevor alles in trockenen Tüchern ist, möchte er nicht. Da ist er etwas abergläubisch. Wenn alles nach Plan läuft, erscheint die erste Folge bereits 2013. Wir sind mehr als nur gespannt!

Spannend ist es auch am Stand von „Lindenblatt“. Wir nutzen die Gelegenheit und sprechen mit Stefan Lindner von diesem noch jungen Hörspiel-Label, das in diesem Jahr zum ersten Mal ausstellt. Direkt ins Auge fällt das Poster der neuen Hörspiel-Reihe „HumAnemy“. Schon das Coverlayout lässt erkennen in welche Richtung es geht. Erinnerungen an „Blade Runner“, „Neuromancer“ oder das Nostalgie-Computerspiel „Syndicate“ werden wach. Wir fragen Stefan Lindner, wie er an die vielen Sprecher für die noch sehr junge Serie gekommen ist.
„Wir haben teilweise mit bekannteren Stimmen gearbeitet, wie beispielsweise Oliver Mink oder Claudia Urbschat-Mingues, zum anderen mit Theaterschauspielern. Die kennt man zwar noch nicht in der Hörspielszene, aber sie können das eben richtig gut.“
Viele weitere Stimmen stammen von Freunden der beiden Labelchefs Stefan und Thomas Lindner. Thomas Lindner? Klingelt es da nicht irgendwo im Hinterkopf? Ja, genau! Es handelt sich um den Frontmann der deutschen Mittelalter-Rockband „Schandmaul“. Er spielt auch gleich die Hauptrolle des „Chamäleons“ Lennart in der Serie. Und wenn von Freunden der beiden Lindners die Rede ist, dann sind damit vor allem befreundete Musiker gemeint, u. a. von Subway to Sally, Coppelius, Weto und Co. Damit ist auch klar, dass die Musik bei HumAnemy eine besondere Rolle spielt.
Selbstverständlich springt bei einem Independent-Label am Anfang wenig für die Beteiligten heraus, so Stefan Lindner. Schön wäre es dennoch, wenn man allen Mitwirkenden irgendwann einmal etwas zurückgeben könnte für den geleisteten Einsatz. Das Glück ist mit den Tüchtigen, denn passend zur Hörspiel-Arena kam am Vorabend die zweite Folge der Serie „HumAnemy“ (Titel: „Der Fahrer“) frisch aus dem Presswerk.

Gleich nebenan befindet sich der Stand der Independent-Hörspielmacher „Mindcrusher Studios“. Im Gespräch mit Dennis Pauler und Matthias C. Nagel haben wir mehr über das Label erfahren, hinter dem sich zahlreiche hörspielbegeisterte Profis und Hobbyproduzenten, Sprecher, Designer und Soundingenieure verbergen. Bis auf Kinderhörspiele sind alle Genres abgedeckt. Auf der Homepage www.mindcrushers.de gibt es alle bereits erschienenen Hörspiele als kostenlosen (!) Download. Die Hörspiele werden fast ausschließlich durch Spenden in Form von Geld oder Arbeitseinsatz finanziert. „Serie 6“ war das erste unter dem Label MindCrusher Studios veröffentlichte Hörspiel, wurde ursprünglich in Mono abgemischt und hat 2009 mit der Special Edition ein Stereo-Upgrade bekommen. Hierbei handelt es sich um eine Ehrerbietung vor einer der wohl beliebtesten Science-Fiction-Serien der Welt – quasi ein Muss für jeden Star-Trek-Fan. Gerade ist die Bonusepisode „Die Staffelpause“ erschienen.

„Jan und Rico, die Detektive“ heißt das erste Hörspiel der sächsischen Autorin Annett Riechert. Das regional angesiedelte Kinderhörspiel thematisiert die immer noch vorhandene Ost-West-Problematik. Zwischen den Aufnahmen und dem Erscheinen des Hörspiels sind zirka 10 Jahre vergangen. Der Grund dafür ist einfach. Annett Riechert: „Ich war einfach als Autorin zu nah dran an dem Stoff um den Schnitt selbst durchführen zu können. Ich selbst hätte mich wahrscheinlich gesträubt die eine oder andere Kürzung vorzunehmen. Also habe ich jemanden gesucht, der das für mich übernimmt. Das sollte auch nicht nebenbei passieren, sondern ich wollte mich voll und ganz darauf konzentrieren können.“ Den Vertrieb übernimmt Riechert selbst, und so war sie auch schon auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Großes Interesse besteht auch an ihrer Idee des „Hörkoffers“, einer „Reinhörgelegenheit“ für Kinder. Ein überaus innovatives Vermarktungsformat!

Um 15:00 Uhr lädt das Live-Krimi-Hörspiel „Fröhlich Sauer“ zum Miträtseln ein. Das Kammerspiel von Michael Nolden ist aufgebaut wie eine Verhörsituation. In der Mitte sitzt der Sprecher Patrick Steiner und führt mit seiner sonoren Stimme durch das bürokratisch-nüchterne Verhör in einem Mordfall. Der Zuschauer weiß zunächst gar nicht, worum es geht, und nach und nach entwickelt sich durch die Fragestellungen und Antworten der beiden Verdächtigen ein Bild des Geschehenen. Die zwei Verdächtigen, das sind Christoph Walter (eher der schüchterne, naive, emotional dynamische Part) und der Autor Michael Nolden himself (distanziert, abgebrüht und angriffsbereit). Die Entwicklung des Stücks nimmt nur langsam Fahrt auf, doch gerade das ist der Reiz daran. Der Switch zwischen den Verhören ist fließend, das Drehbuch ist überaus geschickt konzipiert. Etwas unglücklich ist die unkommentierte Pause. Einige der Zuschauer sind mindestens genauso verwirrt wie wir, dass mitten im Geschehen und ohne Auflösung die Schauspieler die Bühne verlassen. Leider erscheinen dann auch einige der Gäste nicht mehr zum zweiten Teil der Lesung, in dem die Wahrheit dann ans Licht kommen soll. Ein kurzer Hinweis vor der Pause wäre hilfreich gewesen.

Wieder in den Ausstellungsräumen fällt uns der Stand von „Mone Melone“ auf. Die Designerin Monika Rieth verbindet persönlich nicht ganz so viel mit dem Thema Hörspiel, aber ihre Produkte dürften das Herz eines jeden Kassettenkinds höher schlagen lassen. Mone Melone verkauft T-Shirts, Schlüsselanhänger und andere Accessoires mit aufgestickten Mustern wie zum Beispiel Schallplattenspielern, Kopfhörern oder – natürlich – Kassetten. Das Ganze ist keine Massenware, sondern jedes Motiv wurde von Monika Reith höchst selbst entworfen und mit der eigenen Stickmaschine produziert.
Reith: „Die Motive sind nicht aufgedruckt sondern aufgestickt. Der Unterschied zu konventionellen Produkten ist hohe Qualität, vor allem auch weil die die Farben schlichtweg erhalten bleiben.“

Thomas Birker von „Dreamland Productions“ erzählt ein wenig über die Anfang 2014 erscheinenden Folgen der neuen Serie „Der Trotzkopf“. Während der Aufnahmen hatte er plötzlich eine ganz unerwartete Aufgabe mit hoher Verantwortung. Sarah Riedel sprang kurzfristig für eine verhinderte Kollegin ein und brachte ihr erst wenige Wochen altes Baby mit zu den Aufnahmen. Und ein Baby in der Sprecherkabine – das geht nun wirklich nicht. Kurzerhand fand sich Thomas Birker in einer Doppelrolle wieder – zeitgleich als Regisseur und als Babysitter, was ihm ausdrücklich jede Menge Spaß bereitet hat. „Kutschi-ku“, können wir da nur sagen. Und allerherzlichsten Glückwunsch an Sarah!
Auch an neuen Connections mangele es nicht. Gerade eben, so Thomas Birker, sei der bekannte Sprecher Peter Weis an seinem Stand vorbeigekommen und habe seine Karte hinterlassen. Vielleicht der Beginn einer spannenden Zusammenarbeit?

Gleich neben dem Dreamland-Stand findet sich der Verlag „Romantruhe“. Joachim Otto stellt hier unter anderem seine neue Sherlock-Holmes-Reihe vor und verschenkt kostenfreie Schnupper-Exemplare der „Geister-Schocker“-Comics.
„Ich wäre privat auf jeden Fall zur Hörspiel-Arena gekommen“, erklärt Joachim Otto. „Dann kann man ja auch gleich einen Stand machen.“
Hinter ihm lachen Christian Rode und Peter Groeger alias Sherlock Holmes und Dr. Watson von einem Poster aus die Standbesucher an. Die Holmes-Serie laufe gut. Es seien bereits die Sprachaufnahmen für ganze 8 Folgen im Kasten, die nun sukzessive geschnitten und produziert würden. Kommende Woche erwartet Joachim Otto die nächste Folge aus dem Presswerk zurück, die übernächste erscheint dann bereits im September.

Schon im letzten Jahr waren wir begeistert von Matthias Kellers Bühnenpräsenz als Erzähler der „Ferienbande“. In diesem Jahr, Punkt 17:00 Uhr, stellt er dem neugierigen Publikum sein Solo-Bühnenprogramm „Loopinsland“ vor. Das funktioniert so simpel wie effektiv: Keller hat eine Sampler-Maschine auf der Bühne, die er mit dem Fuß bedient. Er kann sich selbst aufnehmen und die Aufnahme „loopen“. Das heißt, sie beginnt nach ein paar Takten wieder von vorn. Und dann ist die nächste Spur dran, die er über die erste aufnimmt. Und so weiter. Das Ergebnis ist grandios!
Der Zuschauer wird Zeuge, wie mit ein paar Gitarrenakkorden, einem Tröten-Keyboard, Gesang, der Mund-Beatbox sowie anderen live erzeugten Geräuschen ein volles Soundspektrum entsteht. Vor allem der Musiker Howie Day hat dieses Prinzip mit seinen Livekonzerten bekannt gemacht, Matthias Keller perfektioniert das Ganze, indem er eine neue Ebene hinzufügt: Den Humor!
Die Songs sind nicht nur wahnsinnig gut komponiert sondern auch so verdammt witzig, dass sich das Publikum vor Lachen die Bäuche hält. Egal ob es um sexy Spam-E-Mails geht, um Fußflusen, Punkte auf dem Karmakonto oder Gutscheine gegen schlechte Laune – Keller unterhält, und man mag gar nicht genug bekommen. Er bietet einen Einblick ins Beatboxen und zeigt, wie man mit den Wörtern „Pferdedung“ und „Katzenpisse“ schon ein einfaches Drumkit mit dem Mund simulieren kann.
Ebenfalls mit Hilfe der Loopmaschine nimmt er sich selbst bei einem fiktiven Telefonat auf. In der nun folgenden Comedy-Einlage kann der Hörer zunächst recht wenig mit Kellers Teil des Dialogs anfangen, ohne das zu hören, was sein Gesprächspartner da wohl gerade antwortet. Daher spielt Keller die gerade eben getätigte Aufnahme wieder von Band ab und übernimmt nun die andere Seite des Telefonhörers. Zunächst spricht er dabei die Computerstimme eines Voice-Roboters. Überaus komisch. „So könnte es gewesen sein, es könnte aber auch anders gewesen sein!“. Und dann führt er dasselbe Telefonat – mit denselben Antworten von vorher – aber eben völlig anders. Nämlich aus der Sicht seiner Mutter. Und alles ergibt plötzlich einen völlig anderen, ebenfalls höchst witzigen Inhalt. Was für eine kreative Idee! Da ergibt auch das Sprichwort „Zum Lachen in den Keller gehen“ einen Sinn.
Speziell für die Hörspiel-Arena hat Matthias Keller ein Schmankerl vorbereitet: Er covert Carsten Bohns altes „Drei ???“-Titellied. Tosender Applaus. Gegen Ende des Sets präsentiert er die Möglichkeiten, wie mit einer Loopmaschine eine Weltreise (vom südamerikanischen Urwald über einen marokkanischen Markt bis hin zu einem tibetanischen Kloster) unternommen werden kann. Als Zugabe bringt er dann seine ganz eigene, aber originalgetreue Version von „Blue Monday“: Ein New-Order-Coverstück ganz ohne Keyboards, fast alles mit dem Mund erzeugt. Großartig! Bitte mehr davon!

Bis zum großen Finale nutzen wir die Chance, auch die restlichen Stände zu begutachten. Neben Pop.de, die im Erdgeschoss einen Verkaufsraum eingerichtet haben, finden wir noch Stände von Audiamo, Comic Culture Verlag, Contendo Media, Europa, Folgenreich, Innovative Fiction, Projekt IAH und Zaubermond Audio. Es gibt also noch jede Menge Neuigkeiten zu entdecken, während man auf das Highlight des Abends wartet, das Live-Hörspiel „Sonderberg & Co. und der Spiegel von Burg Vischering“. Dennis Erhardt übernimmt die Regie und lässt Dirk Hardegen (Dr. Sonderberg), Dagmar Dreke (Minnie Cogner), Gordon Piedesack (Dr. Halverstedt) und Peter Weis auf der Bühne agieren.
Doch das ist noch nicht ganz das Finale, denn am späten Abend stehen dann die Hörspiel-Allstars auf der Bühne und spielen Live-Musik. Mit dabei: Bettina Zech, Mario Cuneo, Jörg Mackensen und Marco Göllner. Rock on!

Wir finden, dass die Hörspiel-Arena 2013 wieder einen Besuch wert war.

Weblink

http://www.Hoerspiel-Arena.de

© 2002 - 2019 Der Hörspiegel - Lesen, was hörenswert ist. --- IMPRESSUM --- DATENSCHUTZ