VAN CANTO Voicefest: Null Gitarren und ein Heiratsantrag (mit Stimmgewalt & In Legend)

VAN CANTO Voicefest: Null Gitarren und ein Heiratsantrag (mit Stimmgewalt & In Legend) Hot

Nico Steckelberg   14. Dezember 2014  
VAN CANTO Voicefest: Null Gitarren und ein Heiratsantrag (mit Stimmgewalt & In Legend)

Bericht

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Veranstaltungsdatum
13. Dezember 2014
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Hörspiegel-Bericht

Text und Fotos: Nico Steckelberg für Hoerspiegel.de

Es ist das typische Metal-Publikum, das sich in einer langen Schlange den Weg zum Eingang der Zeche Bochum bahnt. Der heutige Abend steht allerdings im Zeichen der klassischen Sangeskunst. Klassisch? Nun ja, beinahe vielleicht. Denn wenn Van Canto und ihre Gäste zum Voicefest einladen, darf man etwas sehr Spezielles erwarten.

Der Abend beginnt mit der Band In Legend, die einen melodischen Metal-/Rock-Sound auf die Bühne bringen. Das Ganze allerdings vollkommen ohne E-Gitarren. Frontmann und Lead-Sänger Bastian Emig (auch bekannt als der Drummer des Hauptacts Van Canto) hat mit Daniel Schmidle und Daniel Galmarini zwei Keyboarder mit auf die Bühne gebraucht, die dafür sorgen, dass ihr „Hand-hammered Piano Craft“ Sound auch live wirkt. Zudem zupft Paul Perlejewski den Bass, während Marcos Feminella den Beat am Schlagzeug drischt. Der Sound ist – trotz fehlender verzerrter Gitarren – unverkennbar rockig. Neben bekannten Stücken von ihrem aktuellen Werk „Ballads ’n’ Bullets“ gibt es einige neue Songs zu hören. Spannend zu sehen, dass das Publikum auch bei ebendiesen komplett abgeht, obwohl diese Stücke noch nicht wirklich bekannt sein dürften. Teilweise werden In Legend durch den Berliner „Hard Chor“ Stimmgewalt unterstützt, der den Songs noch einen erhabeneren Charakter verleihen, was beim Publikum enorm gut ankommt.

Nachdem sich In Legend unter tosendem Applaus verabschiedet haben, dürfen Stimmgewalt solo einige Stücke ihrer aktuellen E.P. zum Besten geben. Beeindruckend, wie die komplette Zeche voller Metalheads bei diesen wundervollen Chorälen mucksmäuschenstill bleibt und erst nach Verklingen des letzten Tons in applaudierendes Gegröle ausbricht. Stimmgewalt bringen irische Weisen über blutige Familientragödien, französische Choräle, aber auch Mittelalterliches aus dem deutschsprachigen Raum („Palästinalied“). Zu den Highlights des Auftritts zählen gewiss auch die Coverstücke von Ostfront oder Rammstein. Bei „Engel“ wissen die meisten Zuschauer dann auch einzustimmen. Und auf die Frage von Frontmann Jan ans Publikum: „Was ist Acapella?“ gab es dann auch nur eine einzige richtige Antwort: „GEEEIL!!“

Der Hauptact Van Canto begeistert vor allem durch die wahnwitzige Idee, Metal ohne Instrumente auf die Bühne zu bringen. Einzig ein fettes Drumkit (gespielt von Bastian, In Legend) gönnt sich die Band, ansonsten gibt es hier ausschließlich das zu hören, was die Münder der Mitglieder zum Besten geben. Unterstützt werden Van Canto den gesamten Auftritt hindurch von Stimmgewalt, wodurch sich ein noch voluminöserer Sound ergibt.
Van Canto schaffen es tatsächlich, dass der Saal vollends ausrastet. Das liegt einerseits an dem guten Sound, der durch die vokal imitierten E- und Bassgitarren erzeugt wird, aber auch zu einem nicht unwesentlichen Anteil am Spiel mit dem Publikum.
Ein Beispiel: Obwohl es der Sängerin Inga merklich gesundheitlich nicht gut geht an diesem Abend, zieht sie ihr Ding zum Wohle der Fans durch und gibt bis zur letzten Zugabe Gas. Chapeau! Die Musiker wirken durch die Bank weg extrem sympathisch und interagieren mit ihren Zuschauern. Vor allem Lead-Sänger Sly hat durch seine charismatische Ausstrahlung die Stimmung in der Zeche von Anfang an im Griff. Nach jedem zweiten Song bringt sich das Publikum selbst immer weiter in Fahrt mit dem Van Canto-Schlachtruf „Rakkatakka Motherf,cker! Dankeschön! Bitteschön!“
Diese Publikumsnähe führt gewiss dann auch zu so schönen Ideen wie der, deren Zeuge die Besucher des Abends werden durften: Ein Heiratsantrag eines Fans an seine Freundin. Während des Konzerts auf der Bühne, und mit einigen Hundert Trauzeugen. Alles Gute Euch beiden!
Viele Headbang- und „Pommesgabel“-Momente später – verbracht mit Metal-All-Stars-Coversongs und nicht minder dynamischen eigenen Werken – geht es dann in die Zugabe. Und selbst nach dem letzten Stück reicht es dem Publikum nicht: „Ohne 'Bard's Song' geh'n wir nicht nach Haus'!“ - und spontan wie Van Canto und ihre Gäste sind, stimmen sie gemeinsam mit dem Publikum in Blind Guardians Klassiker mit ein. Gänsehaut-Moment!

Heute Abend (14.12.14) gibt es noch einmal die Chance, das diesjährige Voicefest zu besuchen, im Batschkapp, Frankfurt/Main. Tickets gibt es an der Abendkasse (ohne Gewähr).

Weblink

http://www.VanCanto.de

http://www.Stimmgewalt.Berlin

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