LOREENA MCKENNITT: Celtic Footprints Tour 2012

LOREENA MCKENNITT: Celtic Footprints Tour 2012 Hot

Nico Steckelberg   24. März 2012  
LOREENA MCKENNITT: Celtic Footprints Tour 2012

Bericht

Veranstaltungsort
Veranstaltungsdatum
23. März 2012
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Hörspiegel-Bericht

Es gibt Begegnungen, die vergisst man nicht so leicht. Weil das, was in einem ausgelöst wird, erinnerungswürdig ist. Und es bedarf keiner großen Menschenkenntnis um die Behauptung aufzustellen, dass gewiss der Großteil der Besucher der ausverkauften Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf an diesem Abend ein vergleichbares emotionales Erlebnis hatten.

An eine Begegnung mit Loreena McKennitt und ihrer Musik erinnert man sich noch lange nach dem Verhallen der letzten Akkorde. Viel länger. Weil ihr Konzert nicht nur die Ohren und Augen ihres Publikums befriedigt, sondern nahezu unvermittelt das Zentrum des menschlich-emotionalen Empfindens in Schwingung versetzt.

Auf ihrer „Celtic Footprints Tour“ spielen Loreena McKennitt und ihr musikalisches Ensemble eine Mischung aus keltisch-folkloristisch orientierten Stücken. Dabei wechselt die Setlist gekonnt zwischen rhythmisch-beschwingten Stücken und sanften Balladen, so dass die Mischung stets sehr ausgewogen ist. Und so ist es kein Wunder, dass die Publikumsreihen des bestuhlten Konzerts mal mitwippen (wie zum Beispiel beim Stück „Santiago“), andächtig lauschen und ein wenig näher zu einander rücken (z. B. bei „The Wind That Shakes The Barley“) oder aber mit großem Staunen die hervorragenden Performances der Bühnenmusiker betrachten. Und immer dann, wenn man denkt „da kann es doch keine Steigerung mehr geben“, heben die Rockelemente die grundsätzlich sehr folkloristisch-weltmusikalisch gehaltenen Stücke noch einmal auf ein höheres Level. Hier sind insbesondere das Zusammenspiel zwischen der elektrischen Lead-Gitarre und der Violine vor dem Hintergrund eines Rock-Drumkit-Sounds hervorzuheben, wobei sich Brian Hughes (Gitarre) und Hugh Marsh (Violine) auch mal ein Solo-Battle liefern dürfen, wie beispielsweise im genial vorgetragenen Stück „The Bonny Swans“.

Aber nicht nur diese beiden stehen neben der Künstlerin im Vordergrund, jeder der Musiker – egal auf welchem Planquadrat der Bühne er sich befindet – hat seine großen Momente und darf für eine Zeitlang das Zentrum der Performance sein. Dann wird ihm musikalisch wie auch optisch durch Spotlights die Bühne überlassen und alle anderen „arbeiten ihm zu“. Ob das Caroline Lavelle ist, die mit Hingabe Cello spielt und ab und an auch die Zweitstimme singt oder Ben Grossmann, der mit seiner Drehleier manchen Songs ein mittelalterliches bzw. mit seiner Bodhrán ein irisches Flair verleiht. Oder nehmen wir den großartigen Ian Harper, der nicht nur die Pipes in Vollendung spielt, sondern die Zuschauer auch mit einem Klarinettensolo begeistert. Dudley Phillips zupft den eindrucksvoll großen Kontrabass oder greift auch mal zum E-Bass, während Roy Dodds die Drums und Percussions bedient. Egal ob Rocksound oder Bongos, der Mann hat’s drauf. Tony McManus rundes das Ensemble ab, er spielt die akustischen Gitarren und unterstützt nicht nur Loreena McKennitts Harfenspiel, sondern ist ein wichtiges Stilelement für die klassischer arrangierten Folkstücke des Abends. Loreena McKennitt selbst spielt nicht nur die Harfe, sondern begleitet sich selbst am Klavier oder mit dem Akkordeon. Viele der Musiker bedienen also mehr als nur ein Instrument, und schafft optisch wie akustisch eine große Abwechslung. Es ist ein familiäres Flair, das da von der Bühne ausgestrahlt wird.

In den Pausen erzählt die Künstlerin Anekdoten von ihren Reisen und über die Entstehung der Stücke. Diese kleinen Geschichten wirken so intim und persönlich, dass sie sich nahtlos in die Musik einreihen. Man hat nie das Gefühl, dass man sich in den Songpausen langweilt, selbst dann nicht wenn es kleinere soundtechnische Probleme zu lösen gilt und Loreena die „Kobolde“ in der Soundanlage mit ihren Erzählungen überbrückt. Wir alle hängen an ihren Lippen, egal ob sie singt oder spricht.

Und das alles in Summe macht ein wundervolles Konzerterlebnis aus. Ein Abend, an dem ich mehr als einmal eine sehr lang anhaltende Gänsehaut hatte, und mich erst der tosende Applaus aus den Gedanken riss. Denn eines ist gewiss: Wer ein Loreena McKennitt-Konzert besucht, der sitzt nicht in einer Konzerthalle. Er befindet sich auf einer Reise.

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