girugamesh: Tour 2016 "-chimera-" live in Essen

girugamesh: Tour 2016 "-chimera-" live in Essen Hot

Alina Jensch   23. Mai 2016  
girugamesh: Tour 2016 "-chimera-" live in Essen

Bericht

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Veranstaltungsdatum
14. Mai 2016

Hörspiegel-Bericht

Wenige Monate nach Veröffentlichung ihrer ordentlich lauten EP „chimera“ sollte es GIRUGAMESH endlich wieder auf Tour nach Europa bringen. Für die Essener Zeche Carl standen gleich zwei Konzerte an, wovon das am 14. Mai das erste von beiden war. Die Vorfreude auf den Auftritt der talentierten Japaner, von deren Live-Tauglichkeit ich mich in der Vergangenheit bereits überzeugen konnte, wurde jedoch unlängst getrübt als die Band kurz vor Tourbeginn ihre Auflösung nach über 12 Jahren Bandbestehen bekanntgab. 

Mit etwas Wehmut ging es also an diesem kühlen Samstag nach Essen zum mittlerweile ausverkauften Konzert.
Zuerst betraten aber NO NEED TO STAY aus Jena die Bühne und heizten dem Publikum gut eine Dreiviertelstunde mit einem gelungenen Mix aus Post-Hardcore und Nu Metal ein. Allzu lange besteht die Band zwar noch nicht, dennoch lieferten sie eine solide Live-Performance mit teils zweigleisigem Gesang und wirklich guter Bühnenpräsenz ab. Von Verunsicherung angesichts der anfänglichen Zurückhaltung des Publikums war keine Spur und die Herren gaben wacker Stücke von ihrem Debütalbum „Persona Obscura“ zum Besten. Genre-Freunde dürfen sich den Namen merken – da kann durchaus noch etwas Größeres draus werden!

Pünktlich um 20:00 Uhr lief dann unter Jubel das Intro zu „chimera“ an und die vier Japaner von GIRUGAMESH betraten die Bühne. Zeit zum Aufwärmen ließen sie einem nicht und bretterten direkt mit Nummern ihrer letzten und durchweg harten EP „chimera“ los. 
Songs für eine Abschiedstour auszuwählen ist sicherlich nicht einfach; für diesen Abend hatten sie einen Querschnitt durch die letzten 10 Jahre zusammengestellt und dabei kein Album ausgelassen. Das gab den Fans die willkommene Möglichkeit noch einmal ein paar ältere Songs und natürlich Live-Favoriten zu hören. Der Schwerpunkt lag dennoch auf dem neueren Material – „chimera“ durfte in ihrer Gänze rocken und auch vom 2013er Album „Monster“ gab es relativ viel zu hören. Stilistisch hatte man eine möglichst rockige und temporeiche Setlist zusammengestellt um sich mit einem energiegeladenen Musikfeuerwerk zu verabschieden und das gelang angesichts der großartigen Stimmung in der Zeche Carl wirklich gut!

Während sich Sänger Satoshi mit viel Gestik und Mimik den Emotionen seiner Songs hingab und sich größtenteils gefährlich nah am Bühnenrand aufhielt, tobte die Menge und feierte die Musik ausgelassen und engagiert. Zumindest an diesem Abend wurde es doch bemerkenswert warm in der Zeche Carl. Insgesamt hatte das Konzert etwas Familiäres an sich: Die Musiker traten schlicht gekleidet auf, Satoshi sogar im eigenen Tourshirt, Gitarrist Nii ließ es sich nicht nehmen zwischendurch herumzualbern und auf längere Reden wurde komplett verzichtet – und im Publikum herrschte ebenfalls eine recht lockere Atmosphäre.

Zur Mitte des Sets hin wurde dann ein musikalisch ruhigerer Block eingeschoben mit „Puzzle“ vom 2008er Album „Music“, der wunderschön melancholischen Ballade „Inochi No Ki“ und dem ältesten Titel des Abends: „Owari To Mirai“ vom 2006er Album „13's Reborn“. Doch kaum war man dahingeschmolzen ging es auch schon wieder heavy weiter mit „Drain“ und einer Reihe beschwingterer up-beat Songs wie „Driving Time“, „Evolution“ und dem perfekten Gute-Laune-Live-Song „Another Way“ bei dem definitiv am lautesten mitgesungen wurde. 
Ironischerweise folgte kurz danach mit „END“ der düsterste Song des Abends der mit seiner Emotionalität und Verzweiflung sicherlich so manch einem Anwesenden aus der Seele sprach. 
Dem Titel entsprechend fand der Hauptteil des Auftritts hiermit ein Ende und die Band verschwand für eine kurze Pause bevor noch drei Zugaben nachgereicht wurden. Als Zugabe gespielt wurde auch der endgültig letzte Song „Break Down“, der die Halle ein für alle mal zum Überkochen brachte und keinen an seinem Platz ließ. Ein mitreißenderes Ende hätte es nicht geben können!

Nach insgesamt etwas mehr als eineinhalb Stunden war dann aber leider endgültig Schluss und GIRUGAMESH verließen unter tosendem Beifall die Bühne. Für viele Besucher war dies noch nicht der letzte Abschied, da es für sie am Sonntag an Ort und Stelle beim ebenfalls ausverkauften Konzert weitergehen würde – für den Rest war es das dann aber und man muss wirklich sagen, dass es ein wirklich gelungener Abschied war.
Die Songauswahl war gut getroffen, der Sound zufriedenstellend, die Band sowieso klasse und auch die spektakuläre Bühnenbeleuchtung zeugte davon, dass man sich für den Abend viel Mühe gegeben hatte.

GIRUGAMESH – eine Band, die viele richtig vermissen werden. Bleibt zu hoffen, dass die Musiker irgendwann im Rahmen anderer Projekte wieder auf der großen Bühne auftauchen. Besonders für den äußerst talentierten und versatilen Sänger wäre es zu wünschen.
Vielen Dank und lebt wohl!

(Text und Fotos: Alina Jensch)


Setlist:
01 Chimera
02 Wither Mind
03 Go Ahead
04 Vermillion
05 CRAZY-FLAG
06 VOLTAGE
07 Slip Out
08 INCOMPLETE
09 Puzzle
10 Inochi No Ki
11 Owari To Mirai
12 Drain
13 BORDER
14 Driving Time
15 Holizon)
16 Another Way
17 Evolution
18 END
Zugaben
19 Zeccho BANG!!
20 Gravitation
21 Break Down

Weblink

http://www.girugamesh.jp/en/

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