Im Takt der Maschine: KARL BARTOS eröffnet DASA-Ausstellung 'Die Roboter'

Im Takt der Maschine: KARL BARTOS eröffnet DASA-Ausstellung 'Die Roboter' Hot

Nico Steckelberg   21. November 2015  
Im Takt der Maschine: KARL BARTOS eröffnet DASA-Ausstellung 'Die Roboter'

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Veranstaltungsdatum
20. November 2015

Hörspiegel-Bericht

Unter dem Motto „Die Roboter“ eröffnet die DASA ihre neue Ausstellung zum Verhältnis von Mensch und Maschine. Vom 21.11.2015 bis zum 25.09.2016 können sich die Besucher einen Eindruck der Roboterwelt der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft machen. Passend dazu erhält jeder Besucher einen putzigen Roboter-Stempel auf die Hand.

In der Ausstellungsbroschüre lesen wir: „Zu sehen gibt es Automatenfiguren aus vergangenen Jahrhunderten, Filmausschnitte und andere erstaunliche Dinge wie automatische Melker für den Kuhstall, selbstfahrende Rasenmäher und Roboter-Katzen als Kuscheltierersatz im Pflegeheim. Die Hightech-Kameraden haben längst die Fabrikhallen verlassen und dringen immer weiter in unseren Alltag vor. Wir treffen auf täuschend ähnliche Avatare und beschäftigen uns mit dem Reparieren, Optimieren und Erweitern des menschlichen Körpers.“

Klingt verdammt futuristisch, und es bedarf keiner großen kreativen Kraftanstrengung, sich einen passenden Soundtrack zu einer solchen Ausstellung auszumalen: Die Musik von Karl Bartos und Kraftwerk würde hier extrem gut reinpassen. Würde? Tut sie! Denn die DASA hat Karl Bartos zum Eröffnungskonzert gebeten. Vor der Kulisse des großen Lichtbogen-Ofens in der DASA-Ausstellungshalle lässt das Ex-Kraftwerk-Mitglied (1975 – 1990) seine elektronischen Beats, synthetischen Sounds und die typisch roboterhaft verzerrten Vocoder-Stimmen erklingen. Automatisch fällt mir die Bezeichnung einer der DASA-Ausstellungshallen wieder ein, an denen wir auf dem Weg zum Konzert vorbeigekommen sind: „Im Takt der Maschine“. Das passt ja wie die Faust aufs Auge!

Doch bevor es losgeht, wird das Publikum zur Einstimmung mit einigen experimentellen Sounds und Samples eines Kinderchors auf die Probe gestellt. Dieser Einblick in die Welt der elektronisch gefärbten Avantgarde ist ebenso verstörend wie interessant. Wie viel Anspruch verlangt dieser Konzertabend wohl von seinem Publikum? Doch spätestens als Bandmitglied Robert Baumanns die Bühne betritt und die Elektronik anschmeißt, weiß das Publikum, dass seine Erwartungen nicht enttäuscht werden: „One, two, three, four, five, six, seven, eight…“ Und schon sind wir inmitten der musikalischen Welt des Karl Bartos. Zusammen mit Sascha Wild, dem dritten Mann im Bunde, betritt Bartos die Bühne und vollendet das Bühnenbild: Drei Männer hinter ihren Keyboards und Computern, hinter ihnen ein Tryptichon aus visueller Videokunst – 100% angestimmt auf die Musik.

Karl Bartos stellt sich selbst dabei nicht in den Vordergrund. Es geht hier ausschließlich um die Musik im Zusammenspiel mit den Videos. Sicherlich erwartet niemand der Zuschauer eine große Bühnenperformance. Und die gibt es auch nicht. Dennoch erzeugt die Musik eine enorme Wirkung! Denn Bartos‘ Musik ist beides: Komplex und eingängig. Ihre große Stärke liegt in den enorm zugänglichen Melodien, ihrer bedingungslosen Tanzbarkeit und der genialen Produktion, die sowohl Fans von Dance Music als auch eher progressiv gestimmten Musikliebhabern gefällt. Kein Wunder, dass das Publikum in der DASA sehr bunt gemischt ist: U30 bis Ü50, Männer wie Frauen, aus vielen verschiedenen musikalischen „Lagern“ stammend, was man so mit dem Auge erkennen kann.

Bartos‘ Repertoire erstreckt sich von altbekannten Kraftwerk-Hits wie „The Model“, „The Robots“, „Trans Europe Express“ oder „Taschenrechner“ (welche Bartos und seine Mitstreiter im Wesentlichen in der englischen Version singen) bis hin zu seinen neueren Werken. Insbesondere letztere haben einen enorm frischen und modernen Esprit, ohne dabei kontemporäre Musikrichtungen zu benutzen. Das ist alles enorm eigenständig, und ich erkenne während des Konzerts einmal mehr, für wie viele bekannte Bands Bartos‘ und Kraftwerks Musik ein wichtiger Einfluss war und ist.

Karl Bartos und seine Band spielen Non-Stop über 90 Minuten. Non-Stop bedeutet, dass die Tracks meist direkt ineinander übergehen. Maximal ein, zwei Sekunden Pause. So gelingt es Bartos, sein Publikum in seiner Welt der elektronischen, atmosphärisch dichten Musik zu behalten und sie nicht so schnell los zu lassen.

Eine beeindruckende Stimmung breitet sich aus, als der mit viel positiver Energie geladene Kraftwerk-Track „Tour de France“ ertönt und sich die metallene Hallendecke über der Bühne in die Farben der französischen „tricolore“ hüllt. Noch beeindruckender und absolut am Puls der Zeit dann die Zugabe: Nach dem Konzert-Abspann auf der Videoleinwand und dem begeisterten Applaus des Publikums schließ sich nahtlos ein weiteres Video an: Ein historischer Einspieler der Tagesschau. Schnitt. Der jüngst verstorbene Bundeskanzler Helmut Schmidt im Krisenstab. Schnitt. Die Entführung der „Landshut“. Schnitt. Werbespots aus den 80ern. Schnitt. Ausschnitte aus dem Film „Blade Runner“ von Ridley Scott. Schnitt. Das „HB-Männchen“, wie es in die Luft geht. Schnitt. Weitere schnell geschnittene Bilder aus dem Fernsehen: Terror mischt sich mit Werbung, Schauspiel mit Nachrichten. Und dazu der Track „TV“ vom Album Esperanto.

„every place every time, politics, sex and crime, I press the key and watch TV, watch the war on the screen, it is safe, it is clean“

Da wundert es nicht, dass so mancher Besucher vermutlich zeitsynchron mit seinem Nebenmann eine Gänsehaut bekommt.

Fazit: Ein kurzweiliger Abend im Zeichen der Maschinen-Musik, mit vielen persönlichen Einblicken in Bartos‘ Gedankenwelt. Mit genialen Melodien und einer perfekt ausgetüftelten audiovisuellen Produktion. Und wer tanzen mag, der darf das tun!

Übrigens: Interessanterweise lief nur wenige Kilometer entfernt in Essen ein paralleles Kraftwerk-Konzert. Davon ließen sich die Bartos-Fans jedoch nicht locken: Die DASA war rappelvoll an diesem Abend!

Die Ausstellung „Die Roboter“ kann ab dem 21.11.2016 in Dortmund besucht werden, Karl Bartos Mini-Tour umfasst noch zwei weitere Termine:
21.11.2015 Haus Leipzig, Leipzig
24.11.2015 Am Wriezener Bahnhof, Berlin Berghain

Weblink

http://www.karl-bartos.de/

https://www.dasa-dortmund.de/sonder-ausstellungen/die-roboter/

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